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: Flitterwochen mit Moskitos

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Swantje Strieder und Teja Fiedler sind Auslandsjournalisten und ein Paar. In ihrem Buch "No problem" versammeln sie ihre auf Reisen und Reportagen in fast dreißig Ehe- und Dienstjahren durchlebten Pannen, kulturellen Missverständnisse und Kleinbetrügereien von den "Flitterwochen unterm Moskitonetz" in Tansania bis hin zum heutigen Lebensmittelpunkt in Mumbai.

          Swantje Strieder und Teja Fiedler sind Auslandsjournalisten und ein Paar. In ihrem Buch "No problem" versammeln sie ihre auf Reisen und Reportagen in fast dreißig Ehe- und Dienstjahren durchlebten Pannen, kulturellen Missverständnisse und Kleinbetrügereien von den "Flitterwochen unterm Moskitonetz" in Tansania bis hin zum heutigen Lebensmittelpunkt in Mumbai. Dabei sind die im Wechsel von "Er" und "Sie" gehaltenen Kapitel stilistisch überraschend einheitlich. Gelungen ist besonders die ironische Kommentierung im Rückgriff und zuweilen in Retourkutsche auf die im vorausgegangenen Kapitel dem Reisepartner zugeschriebenen Fauxpas und Fettnäpfchentritte. Einige Gedanken zur Kulturgeschichte des Reisens vom Trampen und Selbstfindungstrip - Fiedler bezeichnet sich als "hoffnungsloses Hippiefossil" - bis zum postmodernen Verkehren mit Riesen-Samsonite und Logieren in klimaanlagenunterkühlten Hotels reflektieren das Journalistenleben. Während einige Kapitel wie "Andere Länder, andere Vorurteile" bemüht komisch gängige Klischees reproduzieren, überzeugen gerade die aus dem eigenen Erlebnisschatz und Frustrationsfundus gespeisten Passagen. Kleinkünstlerisch wertvoll ist besonders die aus einem "Vielfliegerleben" schöpfende Trilogie "Fliegen I-III", eine luzide Episode über die obligatorischen Lichtschalterfindungsprobleme im Hotel oder das Kapitel über den vermeintlichen, in Reiseführern zigtausend Mal verbreiteten "Insidertipp". Variationsreich und bei aller Satire nicht ohne einen reisephilosophischen Unterton berichtet das Buch über Arten und Unarten, folkloristische Erwartungshaltungen und selbsterfüllende Prophezeiungen des Reisens. Dabei kriegen die "deutschen Drittwelt-Sympathisanten" ebenso ihr Fett weg wie die Jünger von "Sonnenuntergängen, dieser Apotheose der Urlaubsromantik". Auch wenn die Autoren vor der esoterischen Illusion der Einswerdung mit dem Zielland warnen, überwiegt in dem Brevier der Fährnisse des Reisens das Glücksgefühl, "voll ins fremde Menschenleben zu greifen".

          sg

          "No problem! Reisen, Pech und Pannen" von Swantje Strieder und Teja Fiedler. Malik Verlag, München 2008. 256 Seiten. Gebunden, 16,90 Euro.

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