https://www.faz.net/-gqz-12nbo

: Entschleierung im Kriegsgebiet

  • Aktualisiert am

Peter Münchs zwischen 1997 und 2008 in der "Süddeutschen Zeitung" erschienene Texte führen in eine Region im historischen Kreuzweg der Kulturen, Kriege und kolonialen Interessen. Sie reflektieren afghanisch-pakistanische Befindlichkeiten vor und nach "9/11". Münch begleitet die afghanische Geschichte von ...

          1 Min.

          Peter Münchs zwischen 1997 und 2008 in der "Süddeutschen Zeitung" erschienene Texte führen in eine Region im historischen Kreuzweg der Kulturen, Kriege und kolonialen Interessen. Sie reflektieren afghanisch-pakistanische Befindlichkeiten vor und nach "9/11". Münch begleitet die afghanische Geschichte von der Taliban-Herrschaft über den "Krieg gegen den Terror", die Einrichtung der Isaf-Schutztruppe und die ersten freien Präsidentenwahlen 2004 bis hin zu aktuellen, von ständigen Kämpfen torpedierten Friedensbemühungen. Münch drängt es jenseits der Isaf-Inseln aber auch, wie im Beitrag über Bamian, in die von den Hilfsprojekten abgeschnittene Provinz. Die Drogenproblematik schildert Münch auch aus der Sicht inländischer Drogenabhängiger, wobei manchen jungen Soldaten Drogen als Aufputschmittel gegeben wurden. Neben Drogenhandel, Tugendterror und Korruption bezeugen die Afghanistan-Notizen auch Demokratisierung, Emanzipation und Entschleierung, wenn die afghanische Frauen-Fußball-Nationalmannschaft, die hinter den hohen Mauern des Militärcamps der Isaf-Friedenstruppe in Kabul trainiert, als Gegenentwurf zu Burka-Trägerinnen porträtiert wird. Auch Pakistan, das die Vereinigten Staaten offiziell unterstützt, dessen Grenzgebiet aber ein Refugium für Taliban-Kämpfer ist, wird als Land mit zwei Gesichtern beschrieben. Die kriegsversehrte und krisengeschüttelte Vergangenheit der Region hat Rückkoppelungseffekte auch auf den heutigen Lebensalltag.

          sg

          "Letzte Abfahrt Khyberpass. Afghanisch-pakistanische Ausblicke" von Peter Münch. Picus Verlag, Wien 2008. 163 Seiten. Gebunden, 14,90 Euro.

          Weitere Themen

          Mit immer neuen Waffen

          Das Phänomen Krieg : Mit immer neuen Waffen

          Die Faszination für Gewalt besteht auch in Friedenszeiten: Die Historikerin Margaret MacMillan beschäftigt sich mit der Bedeutung des Kriegs für die Menschheitsgeschichte.

          Wenn nur die Frauen überleben

          Serie „Y: The Last Man“ : Wenn nur die Frauen überleben

          Die Serie „Y: The Last Man“ beruht auf einem legendären Comic: Eine Seuche rafft alle Männer dahin, nur einer überlebt. Wie gestaltet sich die Welt, allein unter Frauen? Ist das die endgültige MeToo-Serie?

          Topmeldungen

          In einer Frankfurter Hausarztpraxis wird eine Patientin geimpft.

          RKI-Zahlen : Sieben-Tage-Inzidenz sinkt auf 63,1

          Die Richtung stimmt: 10.696 Corona-Neuinfektionen sind weniger als vor einer Woche, und die Inzidenz geht weiter zurück. Die USA machen mit einer ersten Zulassung nun den Weg frei für Auffrischungs-Impfungen.
          Polizisten am Frankfurter Mainufer.

          Was zu tun ist : Den Bürger nicht allein lassen

          Der Rechtsstaat sollte konsequent sein: ohne Sicherheit keine Freiheit. Das gilt auch bei der Einwanderungspolitik – die lange von naiven Vorstellungen geleitet wurde.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.