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Rezension: Sachbuch : Ferne

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          "Nach dem Monsun. Eine Kindheit in den britischen Kolonien" von John David Morley. Malik Vermag, München 2001, 352 Seiten. Gebunden, 39,80 Mark. ISBN 3-89029-203-0

          Dies sind die autobiographischen, nostalgischen Erinnerungen eines Engländers (Jahrgang 1948), der als Kind eines Kolonialbeamten die letzten Tage des British Empire erlebt hat, zuerst in Singapur, dann in Nordnigeria. Mit sieben Jahren, wurde er in ein furchtbares Internat in Südengland geschickt, eines dieser Häuser, wie sie schon Dickens geschildert hat. Ein Trauma für den Jungen, unmittelbar mit der absurden, inflexiblen Disziplin dieser Erziehungsform konfrontiert zu sein - eine Erziehungsform übrigens, die dennoch viele große Männer hervorgebracht hat. Man fragt sich, weshalb der Verlag nicht den englischen Titel "East of the Sun and West of the Moon" übersetzt hat; auch der Buchumschlag ist irreführend, indem er ein biederes, spießiges Familienidyll suggeriert. Zum Glück lassen die grotesken Mißgeschicke eines puritanischen, weltfremden Ehepaars an Jonathan Swifts "Ratschläge an den Dienstboten" denken und sorgen für Fröhlichkeit; selbst wenn man nicht entscheiden kann, ob der Humor freiwillig oder unfreiwillig ist. Die Atmosphäre der Tropen ist trefflich wiedergegeben: das Geräusch des Regens auf Wellblechdächern, der modrige Geruch, der sich mit dem Duft von Desinfektionsmitteln vermischt, die unendlichen Komplikationen mit dem Hauspersonal, die malaiischen und chinesischen Laute und nicht zuletzt die üppige Schönheit der Blumenpracht. Charaktere und Verhalten der Personen sind arg schlicht geschildert, während sich die Einwände gegen stilistische Unfeinheiten, vor allem gegen den Übersetzer werden - etwa, wenn von "goldenen Pupillen" statt von "Iris" die Rede ist oder "Bänder" erscheinen, wenn es sich um Streifen handelt. Kaum kann man zehn Seiten lesen, ohne daß die Kinder "vor Freude auf und ab hüpfen". Dennoch ist das Buch nicht ohne Reiz - als Zeugnis einer Sehnsucht. (G.W.M.)

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