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: Ein Baucode wird dechiffriert

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Die landestypische Bauweise ist oft bedingt durch die am Ort verfügbaren Materialien und die klimatischen Bedingungen. Im waldreichen Osten, wie in Skandinavien, empfahl sich Holz, nicht nur weil es reichlich vorhanden ist, sondern auch seiner guten Wärmedämmung wegen. Im Westen Europas lernte man ...

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          Die landestypische Bauweise ist oft bedingt durch die am Ort verfügbaren Materialien und die klimatischen Bedingungen. Im waldreichen Osten, wie in Skandinavien, empfahl sich Holz, nicht nur weil es reichlich vorhanden ist, sondern auch seiner guten Wärmedämmung wegen. Im Westen Europas lernte man die Kombination der Stämme mit Lehm und Ton zu schätzen, wenigstens dort, wo nicht die großen Sandstein- oder Basaltvorkommen den Massivbau nahelegten. Als vom zehnten Jahrhundert an fränkische Neusiedler in der von den Sorben bewohnten Oberlausitz ankamen, brachten sie die germanische Fachwerkbauweise mit und lernten zugleich die slawische Blockbauweise schätzen. Daraus entstand die Mischform der Umgebindehäuser, die bis heute den ländlichen Teil des Drei-Länder-Ecks Deutschland, Polen und Tschechien prägen und die heute zu den Attraktionen der Landschaft zwischen Dresden und Görlitz gehören. Im vom Sächsischen Verein für Volksbauweise e.V. herausgegebenen Band "Umgebinde" gehen zweiunddreißig heimatkundlich und kunsthistorisch versierte Autoren dem Phänomen nach, vermitteln historische Ereignisse und Entwicklungen als Voraussetzung für diese baulichen Erscheinungsform, gehen auf Details wie die Dämmvorkehrungen oder die Rolle der Kachelöfen ein. Zu erfahren ist, dass das Umgebinde die tragende Konstruktion für das Dach- oder Fachwerkobergeschoss ist und über der Block- oder auch Bohlenstube im Erdgeschoss errichtet wurde. Der hölzerne Unterbau bewährte sich als Wohn- und Arbeitsraum und wurde etwa zur Zeit der Hausweber als Weberstube ein Begriff. Ähnliche Wohnräume kannten die Germanen schon in ihren reinen Fachwerkhäusern, wo sie gelegentlich in sich geschlossene Blockbohlenstuben integrierten. Auch die Vorzüge der massiven Bauweise floss in die Häuser ein, wenn die zweite Hälfte des Untergeschosses als steinerner Stall gemauert wurde. Bis in die zweite Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts wurden die Umgebindehäuser gebaut, die heute gültige Bezeichnung kam erst um 1900 auf, während die Besitzer lieber vom "Häusl" und die Heimatkundler vom ländlichen Weberhaus sprachen. Seit dem Einsetzen der Industrialisierung durch mehrstöckige Steinhäuser verdrängt, hat sich in Sachsen dennoch ein Bestand von mehr als sechstausend Häusern erhalten, die ältesten stammen aus dem frühen siebzehnten Jahrhundert. Sie markieren ein kulturelles Erbe, das mit einer Vielzahl von Epochen und Umbrüchen verbunden ist. Diese Zusammenhänge stellt nun der Bildband "Umgebinde" her. Nach der Lektüre versteht man, diese Baudenkmäler in Weber-, Faktoren- oder Wohnspeicherhäuser, in Doppelstuben- oder Kleinbauernhäuser zu unterscheiden. Auch die konstruktiven und dekorativen Unterschiede in Böhmen, in Niederschlesien oder im Gebiet des Zittauer Gebirges, Varianten mit verbretterten oder verschieferten Fachwerken, mit Laubengang, Laube im Obergeschoss oder angebauter Abseite werden erläutert, die verschiedenen Fachwerkkonstruktionen verständlich illustriert.

          ric.

          "Umgebinde", herausgegeben vom Sächsischen Verein für Volksbauweise e.V., Langewiesche 2007. 248 Seiten, 480 Abbildungen. Gebunden,

          24,80 Euro.

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