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: Dombau mit Heine

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Der gewöhnliche, sprich: flüchtige, Besucher nimmt am Kölner Dom vor allem die imposante Größe wahr und unterschiedslos Gotisches, obwohl Jahrhunderte sich hier verewigt haben. Kritische Betrachter kennen seinen Ruf als "des Geistes Bastille", den Heinrich Heine etablieren wollte. Seit der Fertigstellung ...

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          Der gewöhnliche, sprich: flüchtige, Besucher nimmt am Kölner Dom vor allem die imposante Größe wahr und unterschiedslos Gotisches, obwohl Jahrhunderte sich hier verewigt haben. Kritische Betrachter kennen seinen Ruf als "des Geistes Bastille", den Heinrich Heine etablieren wollte. Seit der Fertigstellung 1880 ist Heines Prophezeiung aus dem "Wintermärchen" widerlegt: "Er wird nicht vollendet, der Cölner Dom." Dabei hatte Heine im Pariser Exil sogar zu den Gründungsmitgliedern eines eigenen "Hülfsvereins für den Kölner Dombau" gehört, war dessen erster "Vizepräsident" und sagte eine Spende von zwanzig Franc zu, mehr als die meisten neben ihm. Die aufschlußreiche Dokumentation "Heinrich Heines Kölner Dom" von Mario Kramp entwirrt das Geflecht aus widerstrebenden Interessen und Ideologemen, die sich mit dem Weiterbau des Doms im neunzehnten Jahrhundert verbunden hatten. Sie geht dabei weit über die Wißbegierde des gewöhnlichen Besuchers hinaus, aber auch hinaus über den Dom, der unschuldig in seiner Frühzeit noch zum Aufhänger für manchen Geßlerhut und manches politische Wetterfähnchen wurde: Gipfelpunkt der wesensmäßig "deutschen" Gotik und Morgengabe des protestantischen Preußens an die katholische Bevölkerung am Rhein, Symbol von deutscher Einheit und, vice versa, deutscher Freiheit, am Ende eine "Kinderrassel" nach dem Urteil Freiligraths, mit der die Unmündigen klappern, "um Wichtigeres (freie Presse und Constitution) zu vergessen". Ob die 1207 Franc jemals, in 326 Taler konvertiert, auf Kölner Konten eingegangen sind, ist ungewiß. Die Spender waren zum Dombaufest der Grundsteinlegung 1842 nicht eingeladen worden, und manche wären auch wohl einer Einladung nur mißtrauisch gefolgt: Sie wurden in Preußen gesucht. In Paris machten die Deutschen schon fünf Prozent der Bevölkerung aus - als Araber des neunzehnten Jahrhunderts. Und statt, wie anfangs noch erhofft, einer schwarz-rot-goldenen Fahne zierte beim Weiterbau wie zur Vollendung 1880 ein Adler die Spitze des Doms, als sei er keine Kirche, sondern eine Pickelhaube.

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          "Heinrich Heines Kölner Dom. Die ,armen Schelme vom Domverein' im Pariser Exil 1842-1848" von Mario Kramp. Erschienen als Band 2 der Reihe: "passerelles". Deutscher Kunstverlag, München 2002. 134 Seiten, zahlreiche Schwarzweißabbildungen. Broschiert, 12 Euro. ISBN 3-422-06373-0

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