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: Die schönste aller Schauspielerinnen

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Weil die Franken freundliche Menschen sind, lieben sie die Verkleinerung. Wenn sie zum Beispiel sagen, jemanden hat "a klaans Schlägla" getroffen, so hat er einen schweren Schlaganfall erlitten. Wenn man von diesem Büchlein sagen muß, es sei "a weng schlampert", so kann sich jeder ausmalen, wieviel hier ungenau ist und daß mancher kapitale Bock geschossen wurde.

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          Weil die Franken freundliche Menschen sind, lieben sie die Verkleinerung. Wenn sie zum Beispiel sagen, jemanden hat "a klaans Schlägla" getroffen, so hat er einen schweren Schlaganfall erlitten. Wenn man von diesem Büchlein sagen muß, es sei "a weng schlampert", so kann sich jeder ausmalen, wieviel hier ungenau ist und daß mancher kapitale Bock geschossen wurde. Es mag ja noch angehen, daß der Autor Sandra Bullock die schönste Schauspielerin der Welt nennt, obwohl angesichts von Catherine Zeta-Jones, Halle Berry, Nicole Kidman und anderen Hollywood-Stars ernsthafte Zweifel angebracht sind. Doch daß er behauptet, sie stamme aus Nürnberg, ist schlichtweg falsch. Sie verbrachte zwar ihre ersten zwölf Lebensjahre unter Lebkuchen und Bratwürsten, geboren aber wurde sie in Arlington/Virginia. Man mag es noch verzeihlich finden, daß Victor von Scheffel in der von ihm gedichteten "Nationalhymne" keineswegs zur "guten", sondern zur "schönen" Sommerszeit ins Land der Franken gefahren ist, aber die Glasbläser von Waldsassen, das bekanntlich in der Oberpfalz liegt, Franken zuzuordnen ist bedenklich. Noch schlimmer aber kommt es, wenn im Kapitel über Bayreuth "die überragende Akustik dieses prächtigen Barocktheaters" gepriesen wird - eine fatale Verwechslung mit dem Markgräflichen Opernhaus, das gut hundert Jahre vor der "Scheune" auf dem Grünen Hügel entstanden ist. Aber man muß auch ein paar Verdienste des Autors würdigen: daß er zum Beispiel auf Georg Anton Urlaub und dessen Deckengemälde in der Ipthofener Kirche Mariä Geburt hinweist, die sonst in fast keinem Reiseführer zu finden sind; daß er dem Maler Michael Mathias Prechtl ein paar Zeilen widmet oder die Lebensgeschichte des Buttenheimers Levi Strauss erzählt, der in den Vereinigten Staaten mit seinen Jeans Karriere gemacht hat. So betrachtet, erfährt man viel über Franken. Dieses kleine Stück Deutschland ist mit Liebe behandelt, wenn auch viel zuviel geplaudert wird über die Befindlichkeiten des Autors. Und leider ist mit Vorsicht zu genießen, was in diesem Buch gesagt wird.

          tg

          "Zwischen Bratwurst und Barock - Fränkische Besonderheiten" von Thomas Kraft. Picus Verlag, Wien 2006. 132 Seiten. Gebunden, 13,90 Euro. ISBN 3-85452-912-0.

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