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: Die sächsische Adria und ihre Italiener

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Die Blaue Adria ist knapp fünf Hektar groß und liegt bei Crosta. Blaugrün schimmert das Wasser im Sommer. Wer nicht darin badet, sitzt vielleicht bei einem Kaffee und sieht den Badenden zu. Gleich neben der Blauen Adria liegt der Wuschiksteich, der voller Seerosen ist, der Wuckranteich mit einer von Birken bewachsenen Insel, und es gibt zwei Lehmteiche, an deren Ufer Stieleichen stehen.

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          Die Blaue Adria ist knapp fünf Hektar groß und liegt bei Crosta. Blaugrün schimmert das Wasser im Sommer. Wer nicht darin badet, sitzt vielleicht bei einem Kaffee und sieht den Badenden zu. Gleich neben der Blauen Adria liegt der Wuschiksteich, der voller Seerosen ist, der Wuckranteich mit einer von Birken bewachsenen Insel, und es gibt zwei Lehmteiche, an deren Ufer Stieleichen stehen. Die Blaue Adria ist eine alte Grube, aus der Kaolin gefördert wurde, die sogenannte Porzellanerde. Die Vorräte reichten bis ins Jahr 1926. Danach füllte sich die Grube langsam mit Grundwasser. Es sollen italienische Kriegsgefangene gewesen sein, die 1944/45 in Crosta von ihrer Heimat sangen und so dem kleinen See zu seinem großen Namen verhalfen. Crosta liegt in der Oberlausitz, Sachsen, zwischen Hoyerswerda und Bautzen, in einer Landschaft, die Feriengästen nicht allzuviel zu bieten hat. Das könnte wegen der vielen Teiche und Seen in den nächsten Jahren anders werden. Künstliche Teiche gab es dort seit dem Mittelalter. Das Wasser der Spree wurde gestaut, um Fischzucht in großem Umfang betreiben zu können. Seit Ende des neunzehnten Jahrhunderts lebte man in dieser Gegend auch vom Bergbau. Südöstlich von Hoyerswerda entstand die erste Grube. Zur Grube kamen Siedlung, Kraftwerk, Brikettfabrik. Die Kolonie Werminghoff wurde später in Knappenrode umbenannt. Aus der Grube Werminghoff wurde nach deren Schließung der Knappensee, früher auch Kleine Ostsee genannt. In der Brikettfabrik ist heute ein bemerkenswertes Museum über die Geschichte des Braunkohlebergbaus untergebracht. Die DDR hatte nach rücksichtslosem Braunkohleabbau in der Lausitz eine ausgeblutete Landschaft hinterlassen, deren Wunden nun langsam heilen. Von siebzehn Gruben in der Oberlausitz sind heute zwölf geschlossen. Fünfundvierzig neue Seen entstanden mit einer Fläche von zweihundertvierzig Quadratkilometern. Ein paar Jahre wird es noch dauern, bis hier eine Landschaft zu finden ist, die jenen etwas sagen könnte, die Natur und Stille mögen. Für Massentourismus ist es in der Oberlausitz dann doch zu langweilig. Umgekehrt aber soll es schon vorgekommen sein, daß an einem der Teiche beim Abfischen fünfzig Seeadler gesehen worden sind. Von all dem erzählt der neue Band "Landschaften in Deutschland. Werte der deutschen Heimat", und zwar so seriös, wie der Titel ist. Hier betreiben Wissenschaftler eine "landeskundliche Bestandsaufnahme" zwischen Städten und Dörfern, die bestenfalls den Einheimischen vertraut sind. Wer kennt schon Großdubrau oder Klitten? Wer hat vom Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft gehört? Es ist dann wie mit allen Büchern aus dieser dunkelgrünen Reihe: Wer sich von der Behäbigkeit in Aufmachung und Sprache nicht abhalten läßt, wird wunderbar belehrt und merkt schon beim Blättern, wie die Neugier wächst, doch einmal eine solche unbekannte Gegend nicht nur in einem dicken Buch zu durchstreifen.

          F.P.

          "Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft. Eine landeskundliche Bestandsaufnahme im Raum Lohsa, Klitten, Großdubrau und Baruth". Erschienen in der Reihe: "Landschaften in Deutschland", Band 67. Köln, Weimar 2005. 452 Seiten, 80 Fotos, etliche Karten sowie zwei Übersichtskarten in der Rückentasche. Gebunden, 29,90 Euro. ISBN 3-412-08903-6.

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