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: Die Kühnheit hatte ihn so weit gebracht

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Für seine Expedition im Norden von Ellesmere Island lieh sich Arved Fuchs elf Schlittenhunde von einem befreundeten Inuit. Diese lässt er per Flugzeug von Grise Fiord nach Eureka auf dem achtzigsten Grad nördlicher Breite transportieren. Kein wirklich abenteuerlicher Anfang, und so muss Fuchs dann doch zeigen, dass er anderes gewohnt ist.

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          Für seine Expedition im Norden von Ellesmere Island lieh sich Arved Fuchs elf Schlittenhunde von einem befreundeten Inuit. Diese lässt er per Flugzeug von Grise Fiord nach Eureka auf dem achtzigsten Grad nördlicher Breite transportieren. Kein wirklich abenteuerlicher Anfang, und so muss Fuchs dann doch zeigen, dass er anderes gewohnt ist. Also beschreibt er zunächst anschaulich den Blick aus dem Flugzeugfenster auf die Polarlandschaft - nur um gleich nachzusetzen, er wisse um den Unterschied zwischen aktiver Teilnahme und passivem Betrachten, "der Blick durch das Flugzeugfenster ist Konsum". Entspann dich, Arved, will man rufen. Wir wissen ja, dass du zu Höherem und Kälterem berufen bist. Arved Fuchs hat Nordpol und Südpol zu Fuß erreicht, Nordwestpassage und Nordostpassage durch- und somit den gesamten Nordpol umsegelt. Er wird auch mal in die Arktis eingeflogen, um in einem Werbespot für Hustenbonbons einen Schlitten zu lenken, um den Darsteller zu doubeln, "der natürlich keine Ahnung vom Hundeschlittenfahren hatte". Diesmal aber, so scheint es, ging es Fuchs nur um eine Expedition um ihrer selbst willen. Der beste Ansatz überhaupt - wenn danach nicht ein Buch geschrieben werden muss. So ist Fuchs mit seinem Kamerateam, denn eine Fernsehdokumentation sollte bei dieser Gelegenheit auch gleich noch entstehen, einfach losgezogen; im festen Glauben, dass sich unterwegs schon irgendetwas ereignen würde, das dann die Daheimgebliebenen interessieren könnte. Nun: Es ereignen sich Wölfe, ein Rudel weißer Wölfe, das immer wieder zum Angriff ansetzt. Kräftezehrende Nachtwachen kommen also als anstrengender Faktor zur Kälte dazu. Die Beschreibungen widmen sich umfangreich den technischen Abläufen, Ungemach und Kälte, den komplizierten Handreichungen, all das zeigt, was für echte Kerle - und eine Frau - da unterwegs sind. Der Text plaudert so dahin, mal historisch, mal konkret, ist einfach zu lang, ohne Tiefgang und ohne rechtes Ziel, wie eben die Expedition auch. So schleicht sich Banales ein, Sätze wie: "Trinken ist wichtig, um dem Körper genügend Flüssigkeit zuzuführen." Erkenntnisreiche Sätze muss man suchen und freut sich dann geradezu über fast schon Philosophisches wie dieses: "Man darf nicht mit der Kälte hadern, sondern muss seinen Frieden mit ihr machen." Doch die Faszination einer Reise in die hohe Arktis bleibt auf der Strecke - wären da nicht die Fotos. Fuchs zeigt Kunstwerke aus Schneekristallen, Hunde, immer wieder Hunde, und natürlich die endlose Weite des Nordens. Doch natürlich muss auch Fuchs den Klimawandel thematisieren. Allerdings wurde darüber so viel gesagt, dass der Abenteurer keine wirklich neuen Erkenntnisse beisteuern kann. Es bleibt bei Floskeln wie "Der Klimawandel kennt langfristig keine Gewinner - nur Verlierer." Wer hätte das gedacht?

          bär.

          "Die Spur der weißen Wölfe. Mit dem Hundeschlitten in die hohe Arktis" von Arved Fuchs. Delius Klasing Verlag, Bielefeld 2007. 215 Seiten, zahlreiche Abbildungen. Gebunden, 26 Euro.

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