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: Die Grammatik der Verführung

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Auch wenn Venedig nah am Wasser gebaut ist, waren die Venezianer als Erfinder der Börse und Statistik von Haus aus eher pragmatisch als romantisch. Was aber macht Venedig für Liebende so attraktiv? Die Kulturhistorikerin Eva Gesine Baur sieht die wankende, sinkende Stadt als Ort des Ephemeren und der "sichtbaren Unverbindlichkeit" vorbestimmt für Affären.

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          Auch wenn Venedig nah am Wasser gebaut ist, waren die Venezianer als Erfinder der Börse und Statistik von Haus aus eher pragmatisch als romantisch. Was aber macht Venedig für Liebende so attraktiv? Die Kulturhistorikerin Eva Gesine Baur sieht die wankende, sinkende Stadt als Ort des Ephemeren und der "sichtbaren Unverbindlichkeit" vorbestimmt für Affären. "Venedig entrückt ... Venedig bedrückt", schreibt sie. "Moto ondoso", jene unablässige Bewegung der Wellen, die Risse in den Mauern und Wunden in den Fassaden bewirkt, läuft in Venedig analog zur "Erosion der Emotionen". In zehn Kapiteln und venezianischen Vexierspielen begibt sich das Buch auf Fährtensuche berühmter Liebespaare: Marlene Dietrich und Erich Maria Remarque; George Sand und Alfred de Musset. Als "Virtuosen des Doppellebens" und Adepten der "Liebesalchemie" werden Künstler wie Antonio Vivaldi und Lord Byron vorgestellt. Venedig ist Spiegel und Sehnsuchtsort: In seiner "Bühnenhaftigkeit" zerfließen die Grenzen zwischen Intimität und Inszenierung, Drama und Wirklichkeit, Literatur und Lebenskunst. Baurs Liebesbrevier enthält Ernest Hemingways in seinen Roman "Über den Fluss und in die Wälder" eingegangene Liaison zu Adriana Ivancich oder Thomas Manns unerklärte Liebe zu Wladislaw Moes, Vorbild der Figur des Jünglings Tadzio in der Novelle "Der Tod in Venedig". Die Kapitel werden jeweils um einen Serviceteil ergänzt: Hier finden sich unkonventionelle touristische Motive wie das Reiterdenkmal, an dem sich Casanova mit seinen Geliebten verabredete, Grandhotels, Cafés und Absteigen, in denen sich die prominenten Liebenden trafen.

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          "Amor in Venedig. Auf den Spuren der Liebenden" von Eva Gesine Baur. C.H. Beck Verlag, München 2009. 296 Seiten, 55 Abbildungen. Gebunden, 19,90 Euro.

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