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: Der Tellerwäscher von Nazareth

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Eine der schönsten Kirchen Bayerns liegt zwanzig Kilometer westlich von München auf dem Fürstenfeld, einem mittelalterlichen Jagdgrund der Wittelsbacher. Kein Gotteshaus der Landeshauptstadt kommt ihr an monumentalem Architekturgestus und Festlichkeit des Innenraums gleich. Die Vorgängerkirche und ...

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          Eine der schönsten Kirchen Bayerns liegt zwanzig Kilometer westlich von München auf dem Fürstenfeld, einem mittelalterlichen Jagdgrund der Wittelsbacher. Kein Gotteshaus der Landeshauptstadt kommt ihr an monumentalem Architekturgestus und Festlichkeit des Innenraums gleich. Die Vorgängerkirche und das dazu gehörende Zisterzienserkloster, von einem bayerischen Herzog 1263 zur Sühne eines Mordes gegründet - er hatte seine Frau wegen vermeintlichen Ehebruchs enthaupten lassen -, danach Hauskloster und Grablege des Herrscherhauses, waren im Dreißigjährigen Krieg verwüstet worden. Kurfürst Max Emanuel, der mit der Kaiserwürde liebäugelte und im nahen Schleißheim sein Versailles errichten ließ, favorisierte einen Neubau, der seine Ansprüche zum Ausdruck bringen sollte. Dies muss man wissen, um zu verstehen, warum buchstäblich auf der grünen Wiese eine barocke Klosteranlage solchen Ausmaßes entstand. Die prachtvoll gegliederte Fassade, die bereits etwas von der edlen Einfalt des Klassizismus ahnen lässt, strahlt imperiale Würde aus. Das Innere ist ein überwältigender Rokoko-Augenschmaus. Die künstlerischen Leistungen sind dem Baumeister Viscardi, den Brüdern Asam als Fresko- und Altarblattmalern, den Stukkateuren Appiani, dem Bildhauer Schmädl zu verdanken. Die Harmonie von Architektur und Ausstattung macht den Rang des Bauwerks aus. Der nun erschienene Band zeichnet in fundierten Beiträgen die Geschichte des Klosters nach, analysiert die Kunstwerke und gibt Einblick in die Spiritualität und das Alltagsleben des Klosters. Interessant zu lesen, wie etwa der Prediger bei der Weihe der Kirche 1741 den Bogen schlug von der strengen Einfachheit der Zisterzienser zu diesem barocken Fest- und Schönheitsrausch, den die Farbfotografien von Philipp Schönborn hinreißend vergegenwärtigen. Außerdem ermöglichen sie es, die Dcckengemälde mit Szenen aus den Evangelien, dem Leben des Ordens und der Heiligen genau zu betrachten. Allzu leicht könnte man sonst die köstliche Szene mit dem halbwüchsigen Jesus als Tellerwäscher übersehen. Atmosphärische Aufnahmen zeigen die umgebende Landschaft. So entstand eine Monographie von Rang, wie man sie jedem überragenden Bauwerk nur wünschen kann.

          ack.

          "Kloster Fürstenfeld", herausgegeben von Werner Schiedermair. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg 2006. 448 Seiten, 345 Abbildungen. Gebunden, 39 Euro. ISBN 3-89870-324-6.

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