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: Den Leuten auf dem Michel zuwinken

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Was für eine Enttäuschung! Wer durch Hamburg läuft, über den Rathausplatz oder über den Jungfernstieg, an Elbe und Hafen entlang oder durch die Schluchten der neueren Geschäftsstraßen, der mag sich vielleicht schon mal gedacht haben: Wie interessant muss das von oben aussehen. Wie würde sich von oben der Blick öffnen für das, was man unten unmöglich wahrnehmen kann.

          Was für eine Enttäuschung! Wer durch Hamburg läuft, über den Rathausplatz oder über den Jungfernstieg, an Elbe und Hafen entlang oder durch die Schluchten der neueren Geschäftsstraßen, der mag sich vielleicht schon mal gedacht haben: Wie interessant muss das von oben aussehen. Wie würde sich von oben der Blick öffnen für das, was man unten unmöglich wahrnehmen kann. Die Binnenalster mit den edlen weißen Bauwerken drumherum, die Elbe mit ihren Abzweigungen. Und erst die Türme: der Fernsehturm, der Turm vom Michel, die Türme der Kräne, der Wasserturm im Schanzenpark. Etwas von oben sehen zu wollen, das erfordert viel Aufwand. Der Hamburger Michael Zapf hat den Aufwand nicht gescheut, um seine Stadt aus der Luft zu fotografieren. Die hanseatischen Lokalpatrioten werden davon enttäuscht sein. Hamburg sieht von oben ziemlich unordentlich aus. Wie planlos dahingewürfelt, unübersichtlich und ein bisschen langweilig mit dem vielen Wasser. Zapf allerdings hatte sich das wohl ohnehin gedacht, denn er hält sich mit der Topographie nicht lange auf, auch wenn natürlich die erwarteten stolzen Bilder dabei sind - etwa die Elbe mit der beleuchteten "Queen Mary 2", von vielen kleinen beleuchteten Schiffen begleitet. Zapf sucht vielmehr das Detail, das freilich am Boden auch ganz schön groß sein kann. Er fotografiert einen Containerlagerplatz, die Gewächshausanlagen der Vier- und Marschlande, die Knoten der Autostraßen, einen Segelboothafen, eine Brücke mit ihrem Schatten auf dem Wasser, die bizarre, einem Wälzlager ähnliche Form des Polizeipräsidiums oder die Blechflächen der Hallen von Messegelände und Flughafen. Zapf fotografiert die Gleichförmigkeit von Feldern, Strandsand, Liegewiesen, Fleetbrücken. Auch wie der Fotograf über die Dächer der drei zur Kunsthalle gehörenden Gebäude schaut oder die Dächer der Justizgebäude am Sieveking-Platz - das ist sehr schön, nicht weil man bekannte Gebäude von oben wiedererkennt, sondern weil der Fotograf einen kühlen grafischen Blick für Formen und Flächen hat. Dass diese herrlichen Fotos Hamburg zeigen, wird dabei fast zur Nebensache. Das schönste Foto im Buch zeigt dann aber doch wieder etwas typisch Hamburgisches: die Laterne mit Aussichtsplattform vom Michel. Der Witz des Bildes besteht darin, dass die Leute auf der Aussichtsplattform den Betrachter ansehen, dabei sogar der Sonne wegen die Hände schützend über die Augen legen, und man sozusagen als betrachteter Betrachter die Neigung zu winken verspürt. Den Text schrieb Stadtbaudirektor Jörn Walter.

          F.P.

          "Hamburg von oben" von Michael Zapf (Fotos) und Jörn Walter (Text). Ellert & Richter Verlag, Hamburg 2007. 160 Seiten, 121 Abbildungen. Gebunden, 19,95 Euro.

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