https://www.faz.net/-gqz-obt8

: Dem Bierglas auf den Grund gehen

  • Aktualisiert am

"Die Poesie des Bieres" ist kein nüchternes Buch. Es ist trunken vor Liebe zu Hopfen und Malz, das Werk eines Mannes, der ohne Bier nicht sein will und zu dessen Hausgöttern Gerhard Polt gehört, der fragt: "Kann man einem Menschen trauen, der keinen Alkohol trinkt? Ich habe da meine Bedenken." Jürgen ...

          1 Min.

          "Die Poesie des Bieres" ist kein nüchternes Buch. Es ist trunken vor Liebe zu Hopfen und Malz, das Werk eines Mannes, der ohne Bier nicht sein will und zu dessen Hausgöttern Gerhard Polt gehört, der fragt: "Kann man einem Menschen trauen, der keinen Alkohol trinkt? Ich habe da meine Bedenken." Jürgen Roth ist im poltschen Sinne vollkommen vertrauenswürdig, wovon jede Seite dieses Buches zeugt, in dem Dutzende Feuilletons und Vignetten, dadaistische Dialoge und symptomatische Szenen aus dem Leben eines Biertrinkers versammelt sind. Sie spielen in Lieblingskneipen, Ausflugslokalen und Trinkhallen, sie tragen sich bei Besuchen fränkischer Bierdörfer zu, bei Spritztouren in das deutsch-holländische Grenzbierland und mißglückten Weinproben, die mit ein paar Flaschen Flens beschlossen werden. Meist kommt das Bier konkret als Getränk und selten nur abstrakt als Gedankengegenstand vor, etwa wenn der Verlust der deutschen Bierkultur und der Siegeszug gepanschter, bierhaltiger Kaltgetränke beklagt wird. Da kennt Roth keinen Spaß, den er sonst immer versteht und mit seinen Lesern auch in diesem Reiseblatt gern teilt. Daß Bier ein heiterer Saft ist, merkt man schnell, lacht pausenlos, brüllt bei der Parodie auf Prominentenautobiographien und stutzt nur ab und zu bei einigen Episoden, deren Sinn sich erst offenbart, wenn sehr viel Bier getrunken und man selbst in jenem Zustand ist, in dem man zu letzten Wahrheiten wie dieser eines Tresenphilosophen eifrig nickt: "Bier macht nämlich nicht betrunken. Betrunken sind die, die nicht trinken."

          str.

          "Die Poesie des Bieres" von Jürgen Roth. Oktober Verlag, Münster 2003. 248 Seiten. Broschiert, 14 Euro. ISBN 3-935792-03-4.

          Weitere Themen

          Und was ist mit Mathe?

          Neue Vox-Serie „Rampensau“ : Und was ist mit Mathe?

          Die Schauspielerin Shiri Conradi ist eine „Rampensau“. Sie hat ihr Temperament nicht im Griff. Als Undercover-Ermittlerin soll sie an einer Schule Drogendealer dingfest machen. Die Rolle sitzt Jasna Fritzi Bauer wie angegossen.

          550.000 Euro für eine Mona Lisa-Kopie Video-Seite öffnen

          Versteigerung zum Spitzenpreis : 550.000 Euro für eine Mona Lisa-Kopie

          In Paris ist eine Kopie des berühmten Gemäldes von Leonardo da Vinci für einen Spitzenpreis verkauft worden. Das Bild wurde im 17. Jahrhundert von einem unbekannten Künstler gemalt. Es gleicht dem Original bis auf wenige Details, ist aber etwas größer.

          Ich will zu dir

          Bayerische Staatsoper : Ich will zu dir

          Erich Wolfgang Korngolds Oper „Die tote Stadt“ suhlt sich in Morbidität. Aber in München machen Kirill Petrenko und Jonas Kaufmann das Stück zu einem Triumph des Lebens.

          Topmeldungen

          Mord an Fritz von Weizsäcker : Aus Abneigung gegen den Vater

          Der Mörder von Fritz von Weizsäcker ist offenbar psychisch krank. Die Messerattacke auf den Sohn des früheren Bundespräsidenten soll er im Detail geplant haben. Sein angebliches Motiv wirft Fragen auf.
          Ministerpräsident Armin Laschet in der Staatskanzlei in Düsseldorf

          Armin Laschet im Interview : „Wir wollen den Erfolg von AKK“

          Vor ihrem Parteitag macht die CDU einen aufgescheuchten Eindruck. Der stellvertretende Parteivorsitzende und NRW-Ministerpräsident, Armin Laschet, spricht im F.A.Z.-Interview über die Querelen in der CDU, über AKK, über Windkraft – und Kopftücher.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.