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: Das Vergnügen des ernsthaften Spaßes

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Den Herrenausstatter Policke gibt es im Hamburger Stadtteil St. Georg seit 1931. Weil sich seitdem am Geschäft und am Geschäftsgebaren wenig geändert hat, ist Policke heute eine Hamburger Sehenswürdigkeit, und die grauen Einkaufstüten sind das Erkennungszeichen einer erleichterten Kundengemeinschaft.

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          Den Herrenausstatter Policke gibt es im Hamburger Stadtteil St. Georg seit 1931. Weil sich seitdem am Geschäft und am Geschäftsgebaren wenig geändert hat, ist Policke heute eine Hamburger Sehenswürdigkeit, und die grauen Einkaufstüten sind das Erkennungszeichen einer erleichterten Kundengemeinschaft. 6000 Anzüge, 4000 Jacketts, 12000 Hosen, dazu all die Hemden und Krawatten - das füllt nicht nur die Wände, sondern hängt auch von der Decke. Hier gibt es nichts, was ein modernes Kaufhaus ausmacht. Keine Fahrstühle, dafür enge Treppen. Keine Beschallung, dafür einen Spiegel, der Tageslicht zum Prüfen der Stoffe in den Raum schickt. Keine Kaffeebar, dafür Verkäufer, denen ein Blick auf den Kunden genügt. Die Wegweiser glitzern nicht. Und wer nichts falsch machen will, achte auf die handgeschriebenen Zettel überall. Hier kommt man nicht zum Spaß her, hier wird konsequent eingekleidet. Genau das aber ist das Vergnügen bei Policke. Der Herrenausstatter gehört zu den knapp vierzig ungewöhnlichen Hamburger Geschäften, die in dem hübsch gestalteten Buch vorgestellt werden. Darf man so etwas tun? Ist das nicht Wettbewerbsverzerrung? Policke ist so einmalig wie Gerda Hüschs Laden, in dem es das ganze Jahr über weihnachtet, oder der Tropenausrüster Brendler oder Hanseplatte, ein Geschäft allein für Hamburger Künstler und Musiker. Hamburg als Hafenstadt hat viel Platz auch für das Ausgefallene wie den Zigarren- oder den Segeltuchmacher, für einen Luxus, der nichts Luxuriöses hat. Da findet sich bestimmt dieses oder jenes Weihnachtsgeschenk. Freilich ist auch das Buch ein solches.

          F.P.

          "Schöne Geschäfte. Außergewöhnliche Läden in Hamburg" von Mathias Thurm. Junius-Verlag, Hamburg 2010. 160 Seiten, 200 Farbabbildungen. Gebunden, 19,90 Euro.

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