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: Das stoppelbärtige Grinsen

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Es mangelt nicht an Publikationen über Iran. Sie reichen vom Kochbuch ("Die persische Küche") über die Liebesgeschichte ("Küsse in der Moschee") bis zum Reisehandbuch und von Stimmen aus dem Exil bis zur Analyse der Position der Frauen in der modernen iranischen Gesellschaft. Fast scheint es, als ...

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          Es mangelt nicht an Publikationen über Iran. Sie reichen vom Kochbuch ("Die persische Küche") über die Liebesgeschichte ("Küsse in der Moschee") bis zum Reisehandbuch und von Stimmen aus dem Exil bis zur Analyse der Position der Frauen in der modernen iranischen Gesellschaft. Fast scheint es, als rege dieses Land umso stärker die schriftstellerischen Aktivitäten an, je mehr es der Welt Angst macht - mit dem Ergebnis, dass auch immer mehr weniger Gelungenes erscheint. Terence Wards "Auf der Suche nach Hassan" gehört zu ebendieser Gruppe, weil das großartige und vielversprechende Thema, nach dreißig Jahren in das Land der Kindheit zurückzukehren und zu versuchen, den ehemaligen Koch der Familie aufzuspüren, ziemlich leichtfertig verschenkt wird. Hier zeigt sich, dass es nicht genügt, eine mehr als elfhundert Kilometer lange, durchaus abenteuerliche Reise samt ein paar kulturhistorischen Abschweifungen mit einer gehörigen Portion Naivität zu protokollieren, sondern eine Idee notwendig gewesen wäre, wie sich persische Erinnerungen und iranische Gegenwart miteinander verflechten lassen. So kommt es, dass der Leser, der doch etwas über Land und Leute erfahren will, vor allem mit den Befindlichkeiten der Familie Ward gequält wird und er am Schluss zwar alles über Papa, Mama und die drei Brüder des Autors weiß, ihm aber nur wenig mehr über den Zustand Irans mitgeteilt wurde, als allgemein bekannt ist. Dazu kommt, dass man einigen Gedanken Terence Wards beim besten Willen nicht folgen kann - etwa wenn er die Reise der Heiligen Drei Könige mit der Suche tibetischer Priester nach der Reinkarnation des Dalai Lama vergleicht -, durchaus verständliche romantische Gefühle oft unangenehm gekünstelt ausgesprochen werden und auch der Umgang mit der Sprache - wie viel durch die Übersetzung verschuldet wird, muss offenbleiben - zu wünschen übriglässt. Formulieren wie "Sein stoppelbärtiges Grinsen begrüßte mein Gefallen" oder "Er reckte sein Kinn mit erneuerter Gewissheit" sollte man auch Amateurautoren nicht durchgehen lassen.

          tg

          "Auf der Suche nach Hassan - Eine Reise ins Herz des Iran" von Terence Ward. Frederking & Thaler Verlag, München 2007. 300 Seiten, zwanzig Farbfotos, eine Karte. Gebunden, 19,90 Euro.

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