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: Das rote Haar des Todesdämons

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Ach, Orvieto! Der passionierte Italienreisende denkt an die malerische Lage. An den Dom, der sich in seiner Pracht auftut wie ein Wunder. An den Abend in der Trattoria mit den netten Wirtsleuten, wo erbittert über den Brauch der Palombella gestritten wurde, bei dem zu Pfingsten eine weiße Taube unter Feuerwerksgeknatter ans Tabernakel des Doms geschickt wird.

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          Ach, Orvieto! Der passionierte Italienreisende denkt an die malerische Lage. An den Dom, der sich in seiner Pracht auftut wie ein Wunder. An den Abend in der Trattoria mit den netten Wirtsleuten, wo erbittert über den Brauch der Palombella gestritten wurde, bei dem zu Pfingsten eine weiße Taube unter Feuerwerksgeknatter ans Tabernakel des Doms geschickt wird. An den Badeausflug an den nahen Bolsenasee. Und er glaubt, Orvieto zu kennen, bis er das Buch von Stephan Steingräber und Giuseppe M. Della Fina aufschlägt. Da erstarrt er und weiß, dass er recht wenig weiß - zumal über das antike Orvieto: die Tempel und Terrakotten, etruskischen Nekropolen und die Architektur des mittelalterlichen und modernen Orvieto. Steingräber ist Professor für Etruskologie, und Orvieto war eine der ältesten Siedlungen im etruskischen Zwölfstädtebund. Ob über oder unter der Erde, die Geschichte quillt hier aus jedem Stein und jeder Ritze, und Steingräber und seine Co-Autoren haben mit größter Fachkenntnis dokumentiert und beschrieben. Ob es um etruskische Sarkophage geht oder um rothaarige Todesdämonen, um die Signorelli-Fresken im Dom oder um dessen moderne Türen von Emilio Greco - nichts bleibt unbesprochen, was dem Kulturreisenden begegnen könnte. Jedoch wird es dem Leser nicht ganz leichtgemacht, zu diesen Schätzen Zugang zu finden - die Fachleute schreiben in einer Sprache, die ungefähr genauso staubtrocken ist wie ein etruskisches Ausgrabungsgelände an einem Augusttag und in der man als Nichtarchäologe ständig über fachwissenschaftliche Begriffe stolpert wie über Felsbrocken.

          vero.

          "Orvieto" von Stephan Steingräber, Giuseppe M. Della Fina. Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2010. 168 Seiten, zahlreiche Abbildungen. Gebunden, 39,90 Euro.

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