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: Cocktail trinken mit Agnellis Enkel

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Herrliches Rom, du kannst so anstrengend sein. Stundenlange Vorträge von Reiseleitern zwischen glühend heißen antiken Steinen, Schlangestehen vor den Vatikanischen Museen, Blasen an den Füßen und Geschichtsdaten im Kopf - vielen Touristen sieht man an, dass sie manchmal am liebsten den Kunstreiseführer in den Rinnstein werfen und in eine lauschige kleine Bar fliehen würden.

          Herrliches Rom, du kannst so anstrengend sein. Stundenlange Vorträge von Reiseleitern zwischen glühend heißen antiken Steinen, Schlangestehen vor den Vatikanischen Museen, Blasen an den Füßen und Geschichtsdaten im Kopf - vielen Touristen sieht man an, dass sie manchmal am liebsten den Kunstreiseführer in den Rinnstein werfen und in eine lauschige kleine Bar fliehen würden. Oder in einen kühlen Swimmingpool. Oder in das Geschäft mit den schicken Schuhen. Der neue Merian Reiseführer Rom gehört in den Koffer all der Menschen, denen ein göttliches Eis mindestens ebenso wichtig ist wie ein berühmtes Fresko in einer der zahllosen römischen Kirchen. Von außen wirkt er wie ein weiteres jener Bücher, die Sehenswürdigkeiten mit Sternen versehen und gnadenlos Top-Ten-Listen aufstellen. Schlägt man den respektabel dicken und schön bebilderten Band auf, ist man jedoch angenehm überrascht. Denn die in der italienischen Hauptstadt lebende Journalistin Eva-Maria Kallinger und ihre beiden Co-Autorinnen Bettina Gabbe und Irene Mayer haben Empfehlungen zusammengetragen, die Genussmenschen gefallen werden. Sie verraten, wo man mit Agnellis Enkel einen Cocktail trinken kann, zeigen, wo die Römer wirklich essen gehen, und nennen die erschwingliche Pension abseits der Touristenmeilen. Auf Flohmärkte führen sie ebenso wie in die äußerst raren römischen Wellness-Oasen oder auf das Literaturfestival. Sechs herausnehmbare Tourenkarten für die Handtasche machen es leicht, die Stadt zu erkunden und dabei weder die Kultur noch das Dolce Vita zu vernachlässigen. Kallinger will Rom-Freunden und denen, die es nicht zuletzt durch dieses Buch werden, jedoch auch das Alltagsleben nahebringen. Endlich einmal geht ein Reiseführer auf die jüngste Geschichte Roms ein oder präsentiert Gegenden, in die sich normalerweise kaum ein Tourist verirrt - so wie das Coppedé-Viertel mit seinen Jugendstilpalästen. Das Kapitel über die klassischen Sehenswürdigkeiten ist dagegen ein eher erfolgloser Versuch, der Fülle der Kunstdenkmäler Herr zu werden, und wird dem kunsthistorisch Interessierten zu oberflächlich sein. Bedauerlich ist es, dass dem Buch eine klare Gliederung fehlt und man so zu wildem Blättern gezwungen ist. Trotzdem wird ein Urlaub mit diesem Reiseführer Spaß machen. Nur der Rom-Kenner muss sich grämen: An all seinen geheimen Lieblingsorten sind jetzt Touristen zu erwarten.

          vero

          "Merian Reiseführer Rom" von Eva-Maria Kallinger. Travel House Media Verlag, München 2007. 264 Seiten, zahlreiche Fotos und Karten. Broschiert, 22,95 Euro.

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