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: Blaues Eis

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Spitzbergen gehört nicht zu den Touristenzielen für jedermann.  Nur eine winzige Minderheit von Reisenden vermag sich für die öde, kalte Inselgruppe tausend Kilometer südlich des Nordpols zu erwärmen und ist dort zwischen Juni und August,  selbst dann noch warm eingepackt, zu Schiff oder zu Fuß  unterwegs. Noch einsamer mag es Hauke Trinks, der ein ganzes Jahr dort verbracht hat.

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          Spitzbergen gehört nicht zu den Touristenzielen für jedermann.  Nur eine winzige Minderheit von Reisenden vermag sich für die öde, kalte Inselgruppe tausend Kilometer südlich des Nordpols zu erwärmen und ist dort zwischen Juni und August,  selbst dann noch warm eingepackt, zu Schiff oder zu Fuß  unterwegs. Noch einsamer mag es Hauke Trinks, der ein ganzes Jahr dort verbracht hat. Fern der durchaus zivilisierten, wenngleich winzigen Hauptstadt Longjearbyen hat er sich auf der unwirtlichen und abgelegenen Insel Nordaustland vom Juli 2002 bis zum August 2003 in der Hütte eines früheren Forscher-Team einquartiert.  Der Hamburger Physiker verfolgt die gewagte Theorie, daß alles Leben im Eis entstanden sei, und glaubt, im "riesigen Eislabor"von Spitzbergen, das ihn als Meereseis, Gletscher und gefrorene Süßwasserseen umgibt, Belege für seine These finden zu können. Den wissenschaftlichen Abschnitten seines Buchs können Laien nur schwer folgen. Die entscheidenden Fragen sind auch noch nicht beantwortet, wie der Forscher andeutet. Doch den Alltag im Eis, den Kampf mit Eisbären, Schneestürmen und der monatelangen Dunkelheit während der Polarnacht schildert er so ehrlich wie anschaulich. Offenbar gibt es Menschen, deren Lebensgeister erst bei minus 40 Grad munter werden. Mit seinen Messungen und Analysen noch nicht ausgelastet, sammelt Trinks historisches Strandgut, etwa Wrackteile von alten Expeditionsschiffen und Walfängern, aus denen er, wenn auch lückenhaft, Spitzbergens Erschließungsgeschichte zu rekonstruieren sucht. Sein größtes Experiment hat der Forscher allerdings damit riskiert, daß er die nur vier mal vier Meter große Hütte mit einer Frau teilt - die er erst in  Longjearbyen in einer Bar kennengelernt hat. Die Gründe für diesen Teil des Abenteuers läßt er unerörtert. Doch sind es sind nicht die schlechtesten Bücher, die ihre Leser mit unbeantworteten Fragen entlassen.

          H.E.R.

          "Das Spitzbergen-Experiment - Ein Forscher, eine Frau und die Theorie vom Ursprung des Lebens" von Hauke Trinks. Frederking & Thaler Verlag, München 2004. 256 Seiten, zahlreiche Abbildungen, eine Karte. Gebunden, 24 Euro. ISBN 3-89405-479-4.

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