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: Altstadtviertel im Hochhauspark

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Am Platz des Volkes mitten in Schanghai unterhält das örtliche Stadtplanungszentrum ein Museum, zu dessen Höhepunkten ein Modell der Metropole zählt. Ein ganzer Saal ist vollgestellt mit Aberhunderten detailliert ausgearbeiteter Hochhäuser, zwischen denen sich mal Grünanlagen, mal alte Stadtbezirke ein wenig Raum gerettet haben - noch jedenfalls.

          Am Platz des Volkes mitten in Schanghai unterhält das örtliche Stadtplanungszentrum ein Museum, zu dessen Höhepunkten ein Modell der Metropole zählt. Ein ganzer Saal ist vollgestellt mit Aberhunderten detailliert ausgearbeiteter Hochhäuser, zwischen denen sich mal Grünanlagen, mal alte Stadtbezirke ein wenig Raum gerettet haben - noch jedenfalls. Alle zwölf Monate muß das Modell mit teils erheblichen Veränderungen der Wirklichkeit angepaßt werden, und man ahnt, wie sich hier schon bald in der noch kleinsten Lücke ein weiterer Wolkenkratzer in die Höhe strecken wird. So schnell wie Shanghai verändert sich derzeit wohl kaum eine zweite Stadt auf dem Globus. Der kiloschwere Band "Mythos Shanghai" kann deshalb nur ein Zwischenbericht sein. Doch gerade der Moment des Umbruchs liefert Karl Johaentges und Erich Follath Stoff für grandiose Bildstrecken und pointierte Analysen einer Zeit, die im Museum noch die kommunistische Geschichte Chinas beschwört, während die Hauptstraßen längst geprägt sind von den Logos inernationaler Unternehmen. Daß die Autoren in ihrem Rundumschlag von der Geschichte über die verschiedensten Aspekte der Gegenwart bis zu den Visionen einer nahen Zukunft kritische Distanz bewahren, ohne in nostalgisch gefärbte Beschreibungen zu verfallen, zeichnet ihr Buch aus. Daß sie dabei den Spannungsbogen über fast vierhundert Seiten halten, grenzt an ein Wunder.

          F.L.

          "Mythos Shanghai" von Erich Follath (Text) und Karl Johaentges (Fotos). Collection Rolf Heyne, München 2005. 385 Seiten, zahlreiche Fotografien. Gebunden, 58 Euro. ISBN 3-8991-0264-9.

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