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: Alles für den Aschenbecher

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Manchmal könnte man sich wünschen, Venedig würde tatsächlich im Wasser der Lagune versinken. Mit der berühmten Stadt verschwände dann auch der grässliche Serenissima-Souvenirkitsch mit seinen bemalten Masken und Aschenbechern aus Muranoglas. Beendet wäre das Elend des Karnevals, dieser ganz und gar durchkommerzialisierten ...

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          Manchmal könnte man sich wünschen, Venedig würde tatsächlich im Wasser der Lagune versinken. Mit der berühmten Stadt verschwände dann auch der grässliche Serenissima-Souvenirkitsch mit seinen bemalten Masken und Aschenbechern aus Muranoglas. Beendet wäre das Elend des Karnevals, dieser ganz und gar durchkommerzialisierten Veranstaltung, auf der angetrunkene Touristen in schlecht kopierten Rokoko-Kostümen durch die leidgeprüfte Stadt wanken und eine Spur von leeren Sektflaschen und Plastikbechern zurücklassen. Donna Leons Kommissar Brunetti könnte aufhören zu ermitteln, und endlich würden keine neuen Venedig-Bücher wie das vorliegende mehr erscheinen. Wobei auf den ersten Blick dieser Bildreiseführer in der Vielzahl der Venedig-Literatur zwar keineswegs notwendig, dafür aber zumindest brauchbar erscheint. Er zeigt in Überfülle die gängigen Fotografien der Stadt. Es gibt im Anhang neben einem Stichwort- auch ein Straßenregister. Stadtpläne erleichtern die Orientierung, und ausgearbeitete Spaziergänge führen in die verschiedenen Quartiere. Venedig kompakt dann bietet als Serviceteil dem Leser allerlei Informationen zu Hotels, Restaurants, Einkaufsmöglichkeiten, Museen und anderen Sehenswürdigkeiten. So weit, so gut. Unerträglich jedoch sind die Texte. Schon die Einleitung faselt von den "zart Besaiteten, Empfänglichen unter den lieben Lesern", die mit diesem Führer in Händen in Venedig die ganz "persönliche Endstation Sehnsucht" finden sollen. Dazu gibt es in einer komplett musealisierten und unter den Zumutungen des Massentourismus bald auch komplett entvölkerten Stadt wie Venedig dann tatsächlich den Hinweis auf eine "kleine, Venedig-typische Schänke, in der manch Einheimischer schon am frühen Morgen seinen Imbiss nimmt". Dieser matschig folkloristische Ton allein ist schon unerträglich genug und zugeschnitten auf die Touristen, die wie biblische Heuschreckenschwärme mit Billigflügen die Metropolen Europas überfallen und verheeren. Venedig ist als kultur- und kunsthistorische Preziose schon fast zu Tode vermarktet worden. Dieses Venedig-Bilderbuch entstammt einer ganzen Reihe solcher Bücher; sie sollte weiteren Städten erspart bleiben.

          üte

          "Venedig - ADAC Bildreiseführer". ADAC Verlag, München 2009. 224 Seiten, zahlreiche Abbildungen. Broschiert, 16,95 Euro.

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