Kulturhauptstadt 2010 : Regensburg - Provinz gibt es nur im Kopf
Geschichte. Alles voller Geschichte. Zweitausend Jahre haben Spuren hinterlassen, steinerne und unsichtbare, die aufs Gemüt schlagen oder die Stimmung heben, je nachdem. "Gut, die Römer, das ist eh klar", hört man immer wieder über die Gründerväter, denen Regensburg weit mehr verdankt, als man heute noch sehen kann: die zahllosen Baudenkmäler des Mittelalters, herausragend das ehemalige Weltwunder und der auch heute noch beeindruckende Bogen der Steinernen Brücke. Der Dom, an dem zweihundertfünfzig Jahre lang gebaut wurde und der majestätisch die Stadtsilhouette regiert. Das Schloß der Thurn und Taxis, heute dank Hausherrin Gloria ein Publikumsmagnet. Kloster St. Emmeram. Das Umland mit den Donauauen, der Walhalla, den Ausläufern des Bayerischen Waldes, der Frankenalb und des fruchtbaren Gäubodens, der niederbayerischen Kornkammer. "Die Gegend mußte eine Stadt herlocken", schreibt Johann Wolfgang von Goethe, als er hier am 4. September 1786 Station auf seiner Reise nach Italien macht.
Aber die Gegenwart lebt in dieser Geschichte, und nicht alle, die sich darin wie selbstverständlich bewegen, nehmen sie wohl zur Kenntnis. Den vielen Touristengruppen allerdings, die sich durch das Gäßchensystem schieben, ist anzusehen, wie ihnen das gefällt, was man ihnen zeigt. Und es gibt auch mehr als genug zu sehen. Auf einem Quadrat von eineinhalb Kilometer Seitenlänge steht kompakt und bündig eine der schönsten Städte, die es in Deutschland gibt. Knapp jeder zehnte der hundertfünfzigtausend Regensburger wohnt noch in der Altstadt, mehr als tausendvierhundert Häuser stehen unter Denkmalschutz. Die Sanierung der vormals verfallenden Stadt, zu deren Rettung eigens ein Gesetz erfunden wurde, ist beinahe abgeschlossen.

