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Was tun mit geerbtem Essen? : Hotdogs aus der Sofaritze

Wer kann dazu schon Nein sagen - vor allem, wenn man es geschenkt bekommt? Bild: Picture-Alliance

Waffeln vom Nachbarn, Sojasauce vom Vormieter: Geschenktes Essen kann einen genauso unter Druck setzen wie geerbtes. Aber was tun, wenn die Läden zu sind und sonst nichts da ist?

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          Neulich habe ich ein paar Sardinen von der „Frankfurter Rundschau“ gegessen. Es ging bei dieser Büchse wohl um eine Serie über die Zukunft des Wohnens und ein Wortspiel, jedenfalls gab es die Sardinen geschenkt – ein Glück, dass sie konserviert waren, denn oft liegt geschenktes Essen erst mal jahrelang im Schrank herum, bevor so eine Dose geöffnet wird, meist an einem Feiertag, wenn nichts geöffnet hat.

          Tobias Rüther

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Und an solchen Feiertagen schmecken einem Sardinen dann auch mal mit der Soja-Sahne, die sie kurz zuvor als Werbung im Supermarkt verteilt haben, und den gefärbten Buchstabennudeln von der Buchmesse 2013. Es ist eine Mischung aus Ordnungssinn (endlich aufgeräumt) und Verzweiflung (aber sonst nichts da), mit der man sich einredet, ein richtig leckeres Rezept erfunden zu haben, aus der Not.

          Nein, aus geschenktem Essen. Das einen genauso unter Druck setzen kann wie geerbtes. Wie die Hinterlassenschaften von Vormietern, Nachbarn und einem Besuch mit speziellen diätetischen Ansprüchen oder kriminellen Geschmacksknospen.

          Einmal, im Amerika-Urlaub, wohnten im Nachbarhaus ein paar wirklich reizende Leute, sie wählten Obama und ließen, als sie wieder fuhren, ihre Vorräte da: Hotdog-Würstchen in den Farben der Niederlande, Kinderjoghurts, bei denen man vom ersten Löffel sofort ADHS bekam, und Waffeln aus hochkonzentriertem Backpulver – eine Mischung, bei der man sich sofort in Homer Simpson verwandelt fühlte. Der ja auch nicht zu einem Gummibärchen nein sagen kann, das seine Sofaritze ihm unverhofft schenkt.

          Nein sagen zu können – damit fängt es an, wenn es um geschenktes Essen geht. Nicht nein sagen zu können, weil einem Essen, egal wie, immer das Herz weich macht – und dann sitzt man da mit einer Sojasauce, die 1987 abgelaufen ist, nur ist inzwischen 1994, und gießt das Zeug mit schlechtem Gewissen in den Ausguss und denkt an Afrika.

          Dabei muss man das gar nicht, man hat die Sauce ja gar nicht entsorgt, das hatte ja schon der getan, der sie einem angedreht und sich dann aus dem Staub gemacht hatte – vermutlich, um sich rechtzeitig vor Ladenschluss eine ganz neue, herrliche Sojasauce zu kaufen. Für jeden, der geschenktes Essen isst, sitzt irgendwo ein anderer vor einem Festmenü.

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