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Frankreichs Rechtschreibreform : Vom Regen in die Traufe

  • -Aktualisiert am

Mit der Rechtschreibereform hatte sie ihr angeschlagenes Image verbessern wollen: Frankreichs Unterrichtsministerin Najat Vallaud-Belkacem. Bild: AFP

Das Scheitern einer neuen Rechtschreibreform in Frankreich spart Kosten ein, während sich Amazon ins Unterrichtsministerium einkauft. Aber wer bezahlt am Ende?

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          Es wird in Frankreich keine linke Rechtschreibung geben. Wochenlang war über deren brüske Einführung durch Najat Vallaud-Belkacem gestritten worden. Die Unterrichtsministerin berief sich dabei auf die Vorschläge der Académie Française aus dem Jahre 1994. Zuvor hatte sie mit ihrer Auslösung der als „elitär“ bekämpften zweisprachigen Klassen eine Welle des Protests ausgelöst. Auch aus Deutschland gab es Druck für ihre Beibehaltung.

          Er blieb nicht wirkungslos: An den meisten Orten werden die „classes bilangues“ weitergeführt, sogar in den Vorstädten hatten sie sich bewährt. Mit ihrer Rechtschreibereform wollte die Ministerin ihr angeschlagenes Image verbessern und geriet vom Regen in die Traufe. Dass auch diese Reform offensichtlich klang- und sanglos beerdigt wird, erwähnte Hélène Carrère d’Encausse, Sekretärin der Académie Française, in einem Interview mit dem Westschweizer Fernsehen. „Der Sturm hat seine Wirkung nicht verfehlt“, erklärte Carrère d’Encausse, die ihn zusammen mit Mitgliedern der Akademie und prominenten Intellektuellen – von Alain Finkielkraut bis Régis Debray – ausgelöst hatte.

          300 Millionen Euro in den nächsten zwei Jahren

          Ihrer Kenntnis nach würden die Schulbuchverleger auf den Kleber „Neue Rechtschreibung“ verzichten, und in der Folge werde auch dieser Versuch einer Reform dem Vergessen anheimfallen: „Wie jene von 1905 und 1994.“ Aber natürlich werde das alles „einen künftigen Minister in zwanzig Jahren nicht davon abhalten, mit einer neuen neuen Rechtschreibung zu kommen“. Aus dem Ministerium gibt es noch keine Stellungnahme. Es hat gerade mit Amazon, dem Schreckgespenst der französischen Verlage und Buchhändler, einen Vertrag geschlossen, den der „Canard enchaîné“ enthüllte: Amazon wird in die Ausbildung der Lehrer einbezogen.

          Diese sollen lernen, wie sie ihre Manuskripte und Programme für das Internet aufbereiten können. An diesem Pilotunternehmen beteiligen sich fünfzig Pädagogen, denen beigebracht wird, wie sie Selbstverleger werden. Französische Start-up-Unternehmen hätten sich noch so gerne dieser Aufgabe angenommen, für die sich das Ministerium laut „Canard“ bezahlen ließ: Die Rede ist von 50.000 Euro. Zu diesem Preis bekommt Amazon einen Fuß ins Unterrichtsministerium. Die Wochenzeitung stellt auch die ketzerische Frage, warum nicht die ganze Branche, deren Abwehrschlacht gegen Amazon zu den Prioritäten der französischen Kulturpolitik gehört, aufheult. Seine Antwort: Die Reformen der Schulprogramme, an denen festgehalten wird, bescheren den Verlegern in den nächsten zwei Jahren ein Geschäft in der Höhe von 300 Millionen. Durch den Verzicht auf eine neue Rechtschreibung wird diese Rechnung zusätzlich beschönigt: Er erspart ihnen hohe Unkosten.

          Jürg Altwegg
          Freier Autor im Feuilleton.

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