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Leipziger Buchmesse : Rechts der Rechten

Die Leipziger Buchmesse ist eröffnet, die rechten Verlage muss man lange suchen. Bild: dpa

Drei Aussteller auf der Leipziger Buchmesse sorgen für Proteste, denn sie rechnen sich dem rechten politischen Spektrum zu. Eine Stippvisite in Gang H.

          Je nach dem Weg durchs Leipziger Messegelände liegt das Ende von Gang H in Halle 3 ganz rechts oder ganz links außen. Jedenfalls in maximaler Entfernung von den üblichen Besucherströmen, isoliert von den Publikumsverlagen, aber umgeben von einem Cordon sanitaire aus Druckkunst: der Internationalen Ausstellung für Künstlerbücher und Handpressendrucke, den Ständen der Kunsthochschulen und des Museums Gutenberg, dem „Marktplatz Druckgrafik“ mit seinen kreativen Kleinanbietern und der Antiquariatsmesse. Diese Flut an schönen Dingen umspült auf drei Seiten eine der sogenannten „Leseinseln“, an deren abgewandter vierter Seite schließlich neben Fressbuden vielerlei Art jene drei Aussteller zu finden sind, deren Präsenz in den letzten Tagen für Protest gesorgt hat, weil sie sich dezidiert dem rechten politischen Spektrum zurechnen.

          Der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer hatte bei der feierlichen Eröffnung der Buchmesse im Gewandhaus noch über die Zahl von „vier oder fünf bei mehr als 2600 Ausstellern“ gespottet, die solche Aufregung verursache: „Wir sollten nicht über jedes Stöckchen springen.“ Nun sind es also nur drei geworden, die hier am äußersten Rand der Halle plaziert wurden, und wenn man Gang H herunterläuft, dann ist rechts von den Rechten nur noch die Wand und jenseits von ihnen der Abort. Als „Getto“ hat die Wochenzeitung „Junge Freiheit“, die auch hier hätte ausstellen sollen, diese Platzzuweisung bezeichnet und ihre Teilnahme an der Buchmesse abgesagt. Unter den Ausstellern wiederum wurde vor Messebeginn eine Rundmail verschickt, die dazu aufrief, die Gegenwart der rechten Verlage zu ignorieren: Proteste förderten nur deren Wahrnehmung. Zur Eröffnungsfeier aber hatte das Aktionsbündnis #verlagegegenrechts immerhin eine Demonstration mit ein paar hundert Teilnehmern vor dem Gewandhaus zusammenbekommen, die Gegenseite wiederum provoziert nun auf einem ihrer drei Stände mit einem Plakat „#versagergegenrechts“.

          Doch aus den ersten Messestunden ist keinerlei Aufregung zu vermelden, kaum jemand verirrt sich hierhin, der direkt benachbarte Stand des Sammlerportals oldthing.de hat mit seinem Angebot von „Retropostkarten zum Mitnehmen und Verschenken“ die Konservativen unter den Vorbeibummelnden eher auf seiner Seite als die rechte Verlagsszene. Allerdings merkt man auch, dass die hiesige Leseinsel neben einigen Veranstaltungen einschlägiger Autoren während der Messezeit nur schwach besiedelt werden konnte: Gleich zweimal liest am ersten Tag ein Autor aus einem Werk vor, in dem es die Menschheit in naher Zukunft unter die Erdoberfläche verschlägt. Dem Klappentext kann man entnehmen, dass der Verfasser durch einen Traum die Eingebung empfing, zu schreiben; ob es ein Traum sein wird, in dieser Umgebung zu lesen, darf man bezweifeln.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

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