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Recht auf Vergessenwerden : Das hässliche Bild kann jetzt weg

  • -Aktualisiert am

So schlimm sieht es doch gar nicht aus: Dan Roach und sein ungeliebtes Werk Bild: Screenshot Worcester News

Ein Künstler nutzt sein „Recht auf Vergessenwerden“ um einen Artikel, der ihn vor Jahren als Malerhoffnung vorstellte, von Google verbergen zu lassen. Neues aus dem Tückenarchiv eines gut gemeinten Gesetzes.

          Auf dem Musikmarkt erfreuen sich rare, schlecht produzierte und oft dilettantisch eingespielte Aufnahmen aus der Anfangszeit einer Band unter echten Fans großer Beliebtheit. Wenn auch der Hörgenuss zu wünschen übrig lässt, verschaffen solcherlei Dokumente einen Eindruck davon, welch weiten Weg die Künstler von den ersten rohen Garagendemos bis zu den heutigen Hochglanzproduktionen hinter sich gebracht haben. Als Musiker sind einem solche Aufnahmen nicht peinlich, im Gegenteil. Oft und gerne werden sie der „Special Edition“ eines neuen Albums beigelegt, sozusagen als Sahnehäubchen für den treuen Unterstützer der ersten Stunde.

          Dan Roach aber schämt sich für sein Frühwerk. So sehr sogar, dass er es zensieren lassen möchte. Dan Roach macht keine Musik, er malt Bilder. Im Jahr 2009 stellten ihn die Worchester News, ein englisches Lokalportal für die gleichnamige Stadt und ihre Umgebung, in einem kurzen Beitrag als Stipendiaten der University of Worchester vor. Ein gewisser Professor David Green lobte seinen Schützling damals als „sehr talentierten Künstler“.

          Ein gefährliches Signal

          Dass der sehr talentierte Künstler es fünf Jahre später tatsächlich ganz nach oben geschafft hat, bekamen die Worchester News nun auf etwas anderem Wege zu spüren, als erwartet. Google benachrichtigte das Portal, dass das Foto von Roach und einem seiner Werke, das dem Artikel von 2009 beigefügt ist, in Zukunft nicht mehr über seine Suchmaschine auffindbar sein wird. Das Bild zeigt Dan Roach als einen jungen Mann mit lockigem, braunen Haar an der Seite eines Gemäldes, das ein Berg in der Dämmerung sein könnte, oder eine aufgeschnittene Schweinehälfte. In jedem Falle hält es eine Menge Deutungsmöglichkeiten bereit und unterscheidet sich nicht sehr stark von dem, was man sonst von Roach im Internet findet.

          Laut Angaben des Herausgebers der Worchester News, Peter John, hatte der Künstler das Medienunternehmen in der Vergangenheit bereits mehrfach darum gebeten, das Werk zu entfernen, da es seiner Reputation schade. Auch wenn Google generell keine Auskünfte über die Antragsteller gibt, liegt die Vermutung daher nahe, dass Dan Roach nun Gebrauch vom „Recht auf Vergessenwerden“ des EuGH gemacht hat.

          Das ist nicht besonders schlau, denn natürlich widmete das Newsportal dem Antrag einen Artikel, der das entsprechende Bild enthält und von überregionalen Medien aufgegriffen wurde. Aktuell befindet sich die Schweinehälfte bei Google Bilder wieder an erster Stelle. Roach hat sein „Recht auf Vergessenwerden“ in eine PR-Aktion verwandelt. Hut ab, wenn das der Plan war.

          Auf höherer Ebene stellt sich allerdings die Frage, ob das Gerichtsurteil mit Maßnahmen wie diesen nicht überstrapaziert wird, und was sich Google bei der Bewertung der Anträge überhaupt denkt. Unreflektierte Zensur wie im Fall „Roach“ führt die ursprüngliche Absicht des Gesetzes ad absurdum.

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