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Rechenspiele : Was kostet Paris?

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Ein Historiker und ein Makler haben den Wert von Paris berechnet. Der Mehrwert des Louvre und des Eiffelturms wird beziffert. Was, wenn die Stadt nicht nur ihren Preis hätte, sondern auch käuflich wäre?

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          In unserer Gesellschaft hat alles seinen Preis. „Was kostet Paris?“, wollten der Historiker Patrice de Moncan und Gilles Ricour de Bourgies vom Dachverband der Pariser Immobilienagenturen wissen. Sie zählten den Wert aller Wohnungen, der Büros und Geschäfte zusammen und kamen auf eine Summe von 700 Milliarden Euro.

          Die Bilanz der Buchhalter ist gerade erschienen. Jede zehnte Pariser Wohnung gehört der Stadt. Radikal vermehrt hat sich der private Immobilienbesitz. Dem Staat gehören Institutionen und Monumente, deren Preis der Makler und der Historiker ebenfalls errechnet haben: auf Grund von Lage, Größe und Zustand der Immobilien. Den Louvre sehen sie bei 7,5 Milliarden Euro - ohne Inventar. Beim Eiffelturm kommen sie auf einen Schätzwert von knapp unter drei Milliarden.

          Eiffelturm im Abendlicht

          Auch Bahnhöfe (der teuerste soll 1,5 Milliarden wert sein) und der Elysée-Palast (1,2 Milliarden) haben ihren Preis. Unsere Phantasie regen diese Hochrechnungen nicht an. Aber vielleicht geht es in Paris um Politik. Spielen die Sozialisten mit dem Gedanken, den Ausverkauf der kostspieligen Kulturgüter zu erwägen? Als Drohung gegen die Revolte der Steuerzahler, die allseits angekündigt wird? Oder weil tatsächlich der Bankrott des Staates droht? Für drei Milliarden würde Qatar nach dem Fußballklub Paris Saint-Germain (PSG) und diversen Fünf-Sterne-Hotels den Eiffelturm wohl umgehend kaufen.

          Den Louvre haben die Scheichs bekanntlich bereits in die Wüste geholt. Mit betriebswirtschaftlichen Kriterien - Zahl der Besucher mal Eintrittspreis minus Kosten - wird man dem größten Museum der Welt und dem höchsten Turm von Paris aber nicht gerecht. Es ist in der Kultur wie beim Luxus und seinen Marken, das weiß inzwischen jeder Buchhalter: Auf den Mehrwert kommt es an. Die Wirtschaftszeitung „La Tribune“ verweist auf eine Studie, die den Marktwert des Eiffelturms nicht auf drei Milliarden festlegt, sondern auf 434 Milliarden Euro. Dagegen sind die PSG-Spieler, über deren Saläre sich das ganze Land aufregt, offensichtlich unterbezahlt: Sie können sich ja nicht einmal den Eiffelturm leisten. Gegen ihre zweite Ausbeutung - durch den Staat - wollen sie übrigens in Absprache mit der ganzen Liga streiken, um die Steuerpläne der Sozialisten zu Fall zu bringen. Auch sie haben schließlich ihre Menschenrechte. Und ihren Preis.

          Jürg Altwegg

          Freier Autor im Feuilleton.

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