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Medienreaktionen zum Tod Frank Schirrmachers : „Wir protestieren gegen diesen Tod“

  • Aktualisiert am

Frank Schirrmacher spricht bei der Verleihung des Medienpreises für Sprachkultur 2014 Bild: dpa

Seine klugen Ideen, sein diabolischer Sinn für Humor, seine treffenden Visionen zur Zukunft des Journalismus: die Medien betrauern den Tod Frank Schirrmachers. Eine Auswahl.

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          Die Trauer über den Tod Frank Schirrmachers ist groß. Die großen Zeitungen zollen ihm ebenso Tribut wie Kollegen und Weggefährten auf ihren Twitter-Accounts.

          Iris Radisch schreibt in der ZEIT:

          „Er brachte einen neuen Ton in diese Debatten, eine Direktheit und Deutlichkeit, eine Unspießigkeit und Lebendigkeit, die wirklich neu waren. Von Anfang an war darin die Leidenschaft eines Journalisten, der seine Zeit nicht nur in Zeilen fassen, sondern sie auch prägen, wenn nicht beherrschen wollte. Das war deutlich: Das Genie seines Schreibens wurde noch übertroffen von der Genialität seiner machtstrategischen Instinkte.“

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          Franziska Augstein, Andrian Kreye und Gustav Seibt schreiben in der Süddeutschen Zeitung:

          „Die Beharrlichkeit, mit der Schirrmacher Themen nicht nur setzte, sondern von allen Seiten und von allen Beteiligten und Unbeteiligten beleuchten ließ, war einzigartig. „Wir protestieren gegen diesen Tod.“ Das war ein typischer Schirrmacher-Auftakt, rhetorisch bis zur Verwegenheit, unvergesslich wie ein Reklameslogan, spontan polarisierend, ein bisschen verrückt. Er war ein Protagonist der Zukunftsdebatten.“

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          Jan Fleischhauer schreibt auf Spiegel Online:

          „Natürlich war Schirrmacher auf Wirkung aus, wie alle großen Journalisten. Aber was für ein ernsthafter Mensch er zugleich war, zeigt die Hingabe, mit der er bei den Themen blieb, die er für wichtig hielt. Nahezu eigenhändig hat er mit seinen Redakteuren den Kampf gegen die Selbstentmächtigung im Datenzeitalter eröffnet, lange vor Snowden und dessen Enthüllungen, und er machte auf dem von ihm verantworteten Platz in der „FAZ“ danach unverdrossen weiter, mit den klügsten Köpfen, die er zusammenbekommen konnte, unabhängig von allen medialen Konjunkturen.“

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          Kai Diekmann schreibt in BILD:

          „Die Bedeutung von Freundschaft. Und das Los, missverstanden zu werden. Zwei Leitmotive im Leben Frank Schirrmachers. Gerade weil die FAZ so legendär für ihre feine Zurückhaltung war, schlug Frank Schirrmacher wie eine Bombe ein, wenn er seine Debatten vom Zaun brach.“

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          Jan Feddersen schreibt in der taz:

          „Ein Journalist, der Nachrichten schätzte, aber lieber, mit ihnen im Kopf, Witterung aufzunehmen suchte mit dem, was die kommenden Gefahren oder Möglichkeiten sind: Ein Liberaler im besten Sinne, aber kein Linker. Und ein Europäer, der Nationalistisches verachtete. Ein Leben im Zustand der Dauerwachheit, der Disziplin, der Neugier. Er sagte, ein Leben ohne intellektuelle Auseinandersetzung sei ihm ein tristes.“

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          Arno Widmann schreibt in der Frankfurter Rundschau:

          „Die Begeisterung Schirrmachers war echt. Sie war das Schwungrad, mit dem er sich antrieb. Sie war das Schwungrad, mit dem er seine Leser in Bewegung setzte. Der Schirrmachersche Enthusiasmus war immer wieder ein sehr ansteckender Virus. Die Geste, mit der am 27. Juni 2000 das Feuilleton leer räumte, um die Buchstabenfolge des entschlüsselten menschlichen Genoms abzudrucken, war eine Großtat des Feuilletons. Es war die Aktion eines Künstlers, eine Performance. In diesem Augenblick war klar: Ein Feuilleton muss sich nicht aufs Wort beschränken, es kann auch demonstrieren.“

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          Martin Meyer schreibt in der Neuen Züricher Zeitung:

          „Unserer bewegten und rasend schnell eilenden Zeit gab er Profile und Prognosen. Damit sollte sie nicht gemütlicher, aber immerhin verstehbarer, fasslicher und insbesondere kritisierbar werden. Kulturkritik eines treffenden, manchmal überbordenden, immer eloquenten Stils war Frank Schirrmachers Markenzeichen. Den Altvorderen – unter ihnen auch einigen Mentoren – erschien solch wuchtiger Auftritt nicht immer geheuer.“

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