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Reaktionen auf Grass : „Ein globaler Schock“

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Auch für den CDU-Politiker Friedbert Pflüger wäre der Bitburg-Besuch der richtige Zeitpunkt für ein solches Bekenntnis gewesen. Der Berliner „B.Z.“ sagte er: „Damals hätte er sein großes Ansehen einsetzen müssen, um gegenüber der Welt zu erklären, wie es im nationalsozialistischen Deutschland dazu kommen konnte, daß junge Menschen zur Waffen-SS kamen - Zivilcourage bedeutet, sich nicht nur moralisierend zu äußern, wenn es wohlfeil ist, sondern auch wenn man dabei etwas zu verlieren hat.“

Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Walter Jens stärkte Grass den Rücken. „Ein Meister der Feder hält Einkehr und überlegt sich: Was hast du im langen Leben zu berichten vergessen? Das hat er getan und er verdient meinen Respekt“, sagte der 83jährige.

Ähnlich äußerte sich auch der Historiker und Publizist Arnulf Baring: „Die Selbstüberwindung von Grass verdient großen Respekt. Aber man fragt sich doch beklommen, warum er sich nicht früher zur Wahrheit aufgerafft hat“. Grass habe immer betont, wie unvollkommen die Vergangenheitsbewältigung in Deutschland sei. „Er muß sich dabei halb bewußt immer selbst im Auge gehabt haben.“ Der Schriftsteller Klaus Theweleit witterte in dem Bekenntnis eine Publicity-Aktion des Nobelpreisträgers: „Wenn Grass den Polls entnimmt, daß nicht 102 Prozent der Deutschen ihn kennen, dann fällt ihm so etwas ein“, sagte er dem „Tagesspiegel“. Was Grass sage, „ist ohne Vorwurf hinzunehmen. Er war sehr jung und stand unter keinem anderen Einfluß, der ihn abgehalten hätte“,
sagte Schriftsteller Erich Loest derselben Zeitung. Er könne das sehr gut nachempfinden.

Der Berliner „Tagesspiegel“ wirft diverse Fragen auf: „Ist sein Geständnis ein Akt der Größe? Ein Akt der Befreiung unter der Last einer übergroßen Scham? Oder - man muß auch das fragen dürfen - der Akt einer Eitelkeit, die ihre moralische Autorität gerade durch das eingestandene Versagen neu nobilitiert? Ist es womöglich der Auftakt einer Reihe ähnlicher Konfessionen von Kollegen?“

Die römische Zeitung „La Repubblica“ schreibt: „Günter Grass, Nobelpreis-Symbol des wiedervereinigten Deutschlands und zugleich Schutzherr der linken Kultur und Literatur Europas, hat in seiner Jugend die Uniform der Waffen-SS angezogen. (...) Das Bekenntnis von Grass ist wie ein globaler Schock.“ Die Zeitung weiter: „Mit schmerzhaftem Mut entschied sich Grass jetzt, jene Zweideutigkeit und Schuld seines Vaterlandes anzunehmen, die der Vergangenheit angehört, die aber unauslöschlich ist.“

Keine Stellungnahme gab es vom Kritiker Marcel Reich-Ranicki: „Kein Wort“ werde er dazu sagen, sagte er der dpa am Samstag. Er sei „nicht verpflichtet“ sich zu äußern.

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