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Rauchverbot in Paris : Still und leise stirbt die Nacht

  • -Aktualisiert am

Vor einer Modenschau von Givenchy raucht die Schauspielerin Catalina Denis eine Zigarette – auf der Straße, wo sonst. Bild: Picture-Alliance

Empörte Anwohner, groteskes Gerenne, Staus an den Türschwellen und ein Boykott von mehr als fünfzig Barbetreibern bei einer der Party-Nächte des Jahres: wie Paris an seinem Rauchverbot verzweifelt.

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          Einmal im Jahr, immer zur Sommersonnenwende feiert Paris eine große Party: Riesen-Tamtam, alle raus auf die Straßen, Musik in sämtlichen Bars. Bei der „Fête de la musique“ lief es normalerweise so, dass man den Abend in einer Gruppe begann, im Laufe der Nacht zusah, wie sie immer mehr Mitglieder verlor und sich im Morgengrauen am Ufer des Flusses wiederfand, wo man beim Zählen der Reste nur noch auf zwei kam. Meist lief also alles nach Plan.

          Lena Bopp

          Redakteurin im Feuilleton.

          Seit ein paar Jahren verhalten sich die Dinge allerdings anders. Angefangen hat es 2008 mit dem Rauchverbot, das die Nächte von Paris nicht nur zur „Fête de la musique“ verändert hat. Gerade im Sommer, sollte man meinen, ist es zwar gar kein Problem, dass man nicht mehr in, sondern nur noch vor den Bars rauchen darf. Aber in Wahrheit zog dieses eine einzige Verbot eine Reihe von Ereignissen nach sich, an deren vorläufigem Tiefpunkt der Boykott von etwa fünfzig Barbetreibern stand, die zur „Fête de la musique“ im vergangenen Jahr ihre Läden nicht nur geschlossen ließen, sondern zum Zeichen ihres Missfallens noch schwarze Fahnen aufhängten, nach dem Motto: „La nuit meurt en silence“ - still und leise stirbt die Nacht.

          Was war geschehen? Die Raucher waren zum Rauchen auf die Straßen gegangen, aber weil es ohne sie drinnen so langweilig war, kamen die anderen bald nach. Gemeinsam raubte man den Bewohnern der umliegenden Häuser dann den Schlaf. Um die daraus entstehenden Konflikte zu entschärfen, haben sich die Barbesitzer einiges einfallen lassen: Manche verfügten, dass Getränke nicht mehr mit nach draußen genommen werden durften, was aber nur zu groteskem Gerenne und Staus an den Türschwellen führte. Andernorts wurden „Flüsterer“ engagiert, die den Leuten klarmachen sollten, was eine angemessene Gesprächlautstärke ist. Dann berief man die „Generalstände der Nacht“ ein und wählte einen „Bürgermeister der Nacht“, der mit Vertretern der Stadt und der immer wieder gerufenen Polizei verhandeln sollte. Aber bisher war all die Mühe vergebens.

          „Bitte rauchen Sie still“, steht an dieser Wand im zwölften Arrondissement von Paris geschrieben.

          Erst im vergangenen Sommer erschien nämlich eine wunderliche Studie („Pourquoi les nuits parisiennes sont nulles“, Editions François Bourin), die dem ganzen Gejammer eine Art von Beglaubigung verschaffte: Was den Ruf der Nächte angehe, gelte Berlin jedenfalls als „underground“, Barcelona klinge nach Fiesta, Amsterdam locke mit leichten Sitten. Nur Paris sei ein unbeschriebenes Blatt. Mit anderen Worten: nichts wie hin.

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