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Balletskandal in Berlin : Ist der Nussknacker rassistisch?

  • -Aktualisiert am

Im Oktober 2013 war an der Deutschen Oper Berlin noch alles möglich: Marian Walter (als Prinz Coqueluche), Iana Salenko (als Fée dragée) tanzten im „Nussknacker“ von Peter Tschaikowsky. Bild: Bresadola/drama-berlin.de

Das Staatsballett Berlin setzt den „Nussknacker” ab – weil die Darstellung der Chinesen und Orientalen darin rassistisch sei. Für wie dämlich hält man das Publikum?

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          Das Staatsballett Berlin hat massive Probleme. Seit 2020 steht Christiane Theobald, ehemals Stellvertreterin einer ganzen Phalanx längst vergessener Direktoren, selbst kommissarisch an der Spitze. Das Ensemble ist zunehmend unattraktiv: für Tänzer, weil sie bis 2023 keinen Direktor haben werden, der mit ihnen im Ballettsaal steht, aber auch für ein Publikum, dem immer wieder vorgesetzt wird, was noch so spielbar im Repertoire ist. Aber es ist noch schlimmer. Die Berliner B.Z. hat es gemerkt. Weihnachten ist die Saison für ein berühmtes Ballett des neunzehnten Jahrhunderts, eines von Peter Iljitsch Tschaikowsky, von Marius Petipa und noch mehr von Lew Iwanow. Die B.Z. fragt also: Wo bleibt „Der Nussknacker“ in diesem Jahr? Auf dem Spielplan steht er nämlich nicht.

          Theobald erklärt, den könne sie nicht spielen, denn darin gäbe es einen Chinesischen Tanz und einen Orientalischen Tanz. Ballettensem­bles rund um den Globus bürsten derzeit die Mäusekostüme aus und putzen die Nussknackerdegen blank für den großen Kampf, der den halben Jahresetat einspielt. Für Christiane Theobald aber ist „Der Nussknacker“ ein klarer Fall von Rassismus, besonders in dieser Fassung, einer wissenschaftlich fundierten, russisch geleiteten Rekonstruktion des Originals von 1892.

          Es gibt auch noch einen spanischen und einen russischen Tanz in diesem fantastischen Ballett nach E. T. A. Hoffmanns Märchen „Nussknacker und Mausekönig“, aber die sind offenbar nicht das Problem. Das Ballett zu spielen und im Programmheft den Exotismus des neunzehnten Jahrhunderts zu erklären, das ist Theobald offenbar zu einfach. Überdies, so heißt es in einem Podcast des Staatsballetts, sei das Publikum noch nicht so weit, richtig zu verstehen, was es auf der Bühne sieht. Richtig verstehen? Für wie dämlich oder selbst rassistisch hält die Tanzwissenschaft das Tanzpublikum?

          Es ist schon traurig, vor Weihnachten keinen Nussknacker zu spielen, überheblich ist es, ihn aus diesen Gründen nicht zu spielen. So seien keine Chinesen. Gewiss, nicht alle sind so akrobatisch und virtuos wie in Petipas Ballettmärchen. In Märchen sind übrigens immer alle anders als sonst: Schneider, Frösche, Knechte, Könige. Wer etwas gegen Rassismus tun möchte, nehme sich am „New York City Ballet“ ein Beispiel, das 2019 die Hauptrolle der kleinen Marie erstmals mit einem schwarzen Mädchen besetzte. In diesem Jahr ist dort das Problem, dass alle mittanzenden Kinder das Impfalter von mindestens zwölf Jahren haben müssen, Kleinere können in dieser Saison nur zuschauen. Noch trauriger, als nicht selbst mittanzen zu dürfen, ist nur was? Gar kein Nussknacker. Soeben wird übrigens bekannt, dass das Royal Opera Ballet in London sich mit einer Nussknacker-Aufführung exklusiv beim britischen Pflegepersonal bedanken will.

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