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Rassismus und Moral : Lehmann und Aogo

Redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist? Der frühere Nationaltorhüter Jens Lehmann. Bild: dpa

Erst fliegt Jens Lehmann eine rassistische Nachricht um die Ohren, dann setzt es bei Dennis Aogo aus. Das sorgt für eine Kaskade der Aufregung. Was steht an deren Ende?

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          Bei Jens Lehmann kann man sich nie sicher sein, was er als Nächstes raushaut. Als Experte oder Studiogast griff der ehemalige Nationaltorwart gern daneben. Auf dem Gelände politisch-korrekten Sprachgebrauchs ist er nicht trittsicher. Eher ein Elefant im Porzellanladen, mit einem Hang zum Witz ohne Pointe.

          Dafür bekommt er nun die Quittung. In einer WhatsApp-Nachricht, die er wohl versehentlich an den ebenfalls früheren Nationalspieler Dennis Aogo verschickte, fragte Lehmann: „Ist Dennis eigentlich euer Quotenschwarzer?“ Vor das Fragezeichen war ein Lach-Smiley gesetzt.

          Aogo veröffentlichte die Nachricht bei Instagram. Das löste einen Proteststurm aus. Lehmann entschuldigte sich, Aogo nahm die Entschuldigung an. Doch damit hatte es nicht sein Bewenden.

          Lehmann wurden sämtliche Epauletten abgerissen. Er verlor seinen Posten als Aufsichtsrat bei Hertha BSC, die Sender Sky und Sport1 verkündeten, sie lüden Lehmann nicht mehr als Studiogast ein. Das war der Entehrung aber noch nicht genug.

          Es meldete sich Peter Küpperfahrenberg, Vorsitzender des Bezirksligaklubs Heisinger SV, bei dem Lehmann von 1975 bis 1978 in der Jugendmannschaft spielte, und teilte mit, der Elfmeterheld des Viertelfinales der WM von 2006 (die Sache mit dem Spickzettel) habe hier „Hausverbot“. Und zwar mit Ausrufezeichen! Als weitere Stichworte rief der Vereinschef die „Grundübel der Zivilisation“ auf, die den Fußball belasteten: Rassismus, Rechtsextremismus, Homophobie. Das musste bei der Gelegenheit zum Fall Lehmann wohl mal gesagt werden.

          Gesagt werden muss auch, was Dennis Aogo als Experte bei Sky am vergangenen Dienstag von sich gab. Da sprach er von „Trainieren bis zum Vergasen“. Warum sich das verbietet, braucht man im Land des Holocaust wohl nicht erklären, wie man die rassistische Beleidigung „Quotenschwarzer“ als solche erkennen können sollte.

          Auch Dennis Aogo hat sich entschuldigt und in der „Bild“-Zeitung mitgeteilt, von „Vergasen“ dürfe man „selbstverständlich in überhaupt keinem Zusammenhang“ sprechen. Zu seinen Gunsten nehmen wir an, dass er damit nicht meint, man dürfe dies auch nicht im Kontext mit dem Massenmord an den Juden tun.

          Die Frage ist, was der Sportsender Sky macht, der seine Sensibilität in Fragen der Haltung und des Ausdrucks am Beispiel Lehmann bewiesen haben will und bei dem man eigentlich wissen sollte, dass Fußballspieler nicht zwingend die versiertesten Redner und größten Denker sind. Wäre doch am besten, es hielten vermeintliche Moralisten, deren Appelle es auf Social-Media-Kanälen im Dutzend billiger gibt, etwas mehr Maß und sich an das, was Dennis Aogo auch gesagt hat: „Jeder Mensch macht Fehler, jeder Mensch hat eine zweite Chance verdient.“

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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