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Ralf Dahrendorf : Eine Epochengestalt des Liberalismus ist tot

  • Aktualisiert am

Ralf Dahrendorf (1929 - 2009) Bild: dpa

Der deutsch-britische Soziologe und Politiker Lord Ralf Dahrendorf ist im Alter von achtzig Jahren gestorben. Dahrendorf war einer der bedeutendsten deutschen Gesellschaftswissenschaftler, eine Instanz des liberalen Denkens und seit 1993 Mitglied des britischen Oberhauses.

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          Der deutsch-britische Soziologe und Politiker Lord Ralf Dahrendorf ist gestorben. Dies teilte am Donnerstag seine Sprecherin Birgit Hahn mit. Seinen 80. Geburtstag Anfang Mai hatte er, von Krankheit schon gezeichnet, inmitten akademischer Freunde in Oxford verbracht (siehe: Die Freiheit, sich alles noch einmal anders zu überlegen: Ralf Dahrendorf zum Achtzigsten). Dahrendorf war einer der bedeutendsten deutschen Gesellschaftswissenschaftler.

          „Dahrendorf hat Deutschland als Intellektueller und Zeitdiagnostiker, als wissenschaftlicher Autor und geistesgegenwärtiger Publizist nie verlassen“, urteilte Jürgen Habermas über Dahrendorf, den er als „bei aller Rationalität kämpferischen Intellektuellen“ pries (Zum 80. Geburtstag: Jürgen Habermas über Ralf Dahrendorf). „Den gleichaltrigen Kollegen hat Dahrendorf in den fünfziger und frühen sechziger Jahren das Niveau der wissenschaftlichen Diskussion vorgegeben. Ohne ihn hätte es keine Debatte über die Rollentheorie, ohne seine Initiative hätte es auch keinen Positivismusstreit gegeben.“

          Seit 1993 im Oberhaus

          Ralf Dahrendorf galt als ein Vordenker der Liberalen in ganz Europa und als unabhängiger Geist. Nach wissenschaftlicher Laufbahn und Habilitation (1957) an der Universität Saarbrücken forschte er zunächst in seiner Geburtsstadt Hamburg. Später gehörte er zu den Mitbegründern der Universität Konstanz. 1988 siedelte der am 1. Mai 1929 geborene Dahrendorf nach England um, seitdem besitzt er auch die britische Staatsbürgerschaft. 1993 ernannte ihn Königin Elisabeth II. zum Baron mit Sitz im Oberhaus. Mit dem „Ritterschlag“ würdigte sie seinen Beitrag zu den deutsch-britischen Beziehungen.

          Ralf Dahrendorf an seinem 80. Geburtstag
          Ralf Dahrendorf an seinem 80. Geburtstag : Bild: dpa

          Mitglied des Oberhauses blieb Dahrendorf auf Lebenszeit. Vor einigen Jahren war er aber nach Köln gezogen, er wollte näher bei seiner Familie sein. In seiner Kölner Wohnung starb er am Mittwochabend nach kurzer, schwerer Krankheit. Seine Frau war in den letzten Stunden bei ihm, wie Dahrendorfs Sprecherin Birgit Hahn sagte. Seinen letzten großen Auftritt hatte er im April 2009 in Düsseldorf, wo er als Vorsitzender der NRW- Zukunftskommission seinen Bericht übergab, gesundheitlich schon erkennbar angeschlagen.

          Eintritt und Austritt aus der FDP

          Zum politischen Teil Dahrendorfs Karriere gehörten in den sechziger und siebziger Jahren ein Posten im Bundesvorstand der FDP, das Amt des Parlamentarischen Staatssekretärs im Auswärtigen Amt und die Mitgliedschaft in der Kommission der Europäischen Gemeinschaft (EG) in Brüssel. Aus der FPD trat er später aus. Dahrendorf war auch Rektor der London School of Economics (1974-1984). Von 1987 bis 1997 leitete er das St. Antony's College in Oxford. Bis zuletzt hielt er eine Forschungsprofessur am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB). Im Juli 2007 erhielt er den renommierten Prinz-von-Asturien-Preis im Bereich Sozialwissenschaften.

          Zu den bekannten Werken Dahrendorfs gehörten in der jüngeren Vergangenheit seine „Betrachtungen über die Revolution in Europa“ (1990) und der als Summe seiner Sozialwissenschaft geltende Band „Der moderne soziale Konflikt“ (dt.: 1992). Zu Beginn seiner Karriere sorgte er unter anderem mit seiner Habilitationsschrift „Soziale Klassen und Klassenkonflikt in der industriellen Gesellschaft“ (1957) und „Gesellschaft und Demokratie in Deutschland“ (1965) für Aufsehen. Dahrendorf erhielt im Lauf seines Lebens zahlreiche Auszeichnungen, unter ihnen das Große Bundesverdienstkreuz. Er war dreimal verheiratet, zuletzt mit einer Amerikanerin. Aus der ersten, geschiedenen Ehe mit einer Engländerin stammen drei Töchter.

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