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Aus für König-Fahd-Akademien : Radikale Schulen

  • -Aktualisiert am

Bekanntermaßen radikal: Die König-Fahd-Akademie in Bad-Godesberg Bild: Edgar R. Schoepal

Die Bonner König-Fahd-Akademie stand schon öfter vor dem Aus. Dass sie geschlossen werden soll, dürfte trotzdem nicht neuem Reformwillen der Saudis zuzuschreiben sein.

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          Als das Berliner Abgeordnetenhaus 2008 dem Bau einer weiteren König-Fahd-Akademie zustimmte, waren eigentlich bereits alle beunruhigenden Fakten über diese radikalen wahhabitischen Lehranstalten bekannt. Die Bonner Akademie hatte deshalb schon mehrfach vor der Schließung gestanden. Zumindest die „Externen“, also keine saudischen Diplomatenkinder, mussten wieder in normale Schulen gehen und sich dort, auch wenn das ihren Eltern kaum gefallen haben dürfte, über die Werte Europas unterrichten lassen - etwa die Gleichberechtigung der Geschlechter, die Toleranz gegenüber anderen Religionen und dergleichen mehr.

          Immerhin, für Berlin wurde durchgesetzt, dass es in der sogenannten Akademie keine Moschee geben dürfe, was auch nicht mehr notwendig war, denn salafistische Gebetshäuser waren auch in der Hauptstadt längst im Entstehen. Woher das Geld dafür kam, interessierte allenfalls ein paar Verfassungsschützer, auf deren Warnungen die Behörden gewohnheitsmäßig wenig gaben. Das Grundstück für die Berliner König-Fahd-Akademie hatte der landeseigene Liegenschaftsfonds verkauft, der alles zu Geld machte, was der leeren Stadtkasse zugutekam, koste es später auch, was es wolle.

          Ungewohnt deutliche Kritik

          Wenn es jetzt heißt, die Aufgabe des Bonner und des Berliner Projekts habe mit einem ganz neuen Reformwillen der Saudis zu tun, deren Regierung die eigene und die ihnen zugewandte muslimische Jugend, also auch die in Bonn und Berlin, mit der allerbesten Ausbildung versorgen möchte, so mag das sein; aber zweifeln darf man trotzdem. Natürlich genießt das deutsche Schulsystem in der Welt einen guten Ruf, doch sind damit nur in Ausnahmefällen die Schulen Nordrhein-Westfalens und Berlins gemeint. Ursprünglich gab es für die Genehmigung, wahhabitisch-fundamentalistische Schulen (und Moscheen) errichten zu dürfen, gute Rabatte im Ölgeschäft. Das ist heute, mit niedrigen Ölpreisen, kaum mehr ein Grund, die Augen zu schließen und den Verstand auszuschalten.

          In Belgien hat dieser Freibrief - günstiges Öl gegen ungehinderte radikale Missionierung - zu einer blühenden Salafistenszene geführt. Das ist inzwischen zwar hoch umstritten, aber eben auch viel zu spät. Das „Islamische Zentrum“ mitten in Brüssel, mit saudischen Petrodollars gebaut und unterhalten, gilt seit Jahrzehnten als westliches Mekka für islamistische Prediger. Das Zentrum dürfte eine der Ursachen dafür sein, dass gerade belgische Muslime, die dort oder in ausgelagerten radikalen Schulen wahhabitisch erzogen wurden, in so großer Zahl für den IS in den Krieg zogen. Vielleicht ist die angekündigte Schließung der König-Fahd-Akademien eher eine Reaktion auf Hillary Clinton, die erst vor wenigen Monaten ungewohnt deutlich die Radikalisierung junger Menschen durch die Schulhintertür kritisiert und von Saudi-Arabien und Qatar verlangt hat, derlei nicht mehr zu finanzieren.

          Regina Mönch
          Freie Autorin im Feuilleton.

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