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Wut im Straßenverkehr : Radfahrer und Fußgänger? Grauenhaft!

  • -Aktualisiert am

„Redest du mit mir? Du laberst mich an?“ Robert De Niro als Travis Bickle in Martin Scorseses „Taxi Driver“ (1976) Bild: Picture Alliance

Vollfrust im Endstadium: Wenn Robert De Niro in „Taxi Driver“ die Welt verwünscht, ist das gute Unterhaltung. Wenn dagegen ein echter Taxifahrer zur Wutrede ansetzt, macht sich schon mal Irritation breit.

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          Wie formulierte es Travis Bickle noch gleich? „Ich hoffe, eines Tages wird ein großer Regen diesen ganzen Abschaum von der Straße spülen.“ Gemeint sind – wir zitieren das nur unvollständig und legen gleich noch eine Triggerwarnung obendrauf – „Huren, Betrüger, Schwuchteln, Drogensüchtige“. Nun ist dieses von Robert De Niro in die Filmgeschichte gekippte Sprachgeröll bekanntlich der Auftakt einer Barbarei, die so reizvoll ausfällt, dass Martin Scorseses „Taxi Driver“ mit Preisen überhäuft wurde. Damit war abermals demonstriert, wie viel Freude Schmähungen und ein gut orchestriertes Schlachtfest auf der Leinwand bereiten können, was eingefleischte Bestialitätsfachleute wie Karl Heinz Bohrer, der zwischen Ästhetik und Gewalt ein „Bedingungsverhältnis“ erkennt, sowieso seit Jahren predigen. Motto für die Kunst: Fun ist ein Blutbad.

          In der Wirklichkeit sieht das alles natürlich ganz anders aus. Da führen schon kleinere verbale Entgleisungen schäumender Aggronauten zu größeren Irritationen. Springen wir also vom Phantasie-New-York der Siebziger in die brutal reale deutsche Großstadt des Jahres 2021. Ort: ein Taxi. Referent: dessen Fahrer, der zunächst in idyllischen Flötentönen über Parks, Flora und Fauna extemporiert, um sich anschließend als Meister der gesamtgesellschaftlich ja stark nachgefragten Hass-Suada zu erweisen. Nachdem sich zwei Verkehrsteilnehmer bei ihm dadurch disqualifiziert haben, dass sie auf dem Rad unterwegs und, wie soll man sagen, einfach da sind, flüstert er: „Diese Mistgeburten (sic!), die müssen weg.“ Kunstpause. Mit mehr Dezibel weiter: „Hoffentlich wird dieser ganze Abschaum irgendwann von der Straße gefegt.“

          Nur am Provozieren

          Ihre Frage, lieber Leser, ob es sich hier um eine bewusste Referenz, also eine veredelte Äußerung zweiter Ordnung handelt, wird man mit „never ever“ beantworten müssen. Bei diesem Taxi Driver eruptiert ästhetisch unangetasteter Vollfrust im Endstadium. Der Fahrgast ist leicht alarmiert, freut sich allerdings auch, weil er sofort weiß, dass das gut abgehangene Genre der Bahn-Glosse nun Konkurrenz von der schwer unterschätzten Taxi-Glosse bekommen wird. Aber zurück zum Thema: Radfahrer im Allgemeinen? „Zum Kotzen – wird immer schlimmer.“ Fußgänger? „Fast genauso grauenhaft, nur am Provozieren, der Dreck muss runter von der Fahrbahn.“ Sonst so? „Tiere sind besser, die tun, was sie tun müssen, Menschen sind böse.“

          Irgendwann ist man, sich immer tiefer in die Rückbank drückend, versucht, jene im Grunde alternativlose Replik zu geben, die gleichwohl nur der eigenen Unterhaltung zugutekäme: „Redest du mit mir? Du laberst mich an? Du laberst mich an? Kann das sein, dass du mich meinst? Du redest mit mir? Ich bin der Einzige, der hier ist.“ Am Ende läuft es dann aber doch auf beredtes Schweigen und die üblichen zwei Schlussworte hinaus: „Stimmt so.“

          Kai Spanke
          Redakteur im Feuilleton.

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