https://www.faz.net/-gqz-126dn

Rabiate Russin : Ein Liebesraub

  • -Aktualisiert am

Auch eine starke russische Frau: Die Boxerin Natascha Ragosina Bild: dpa

Schon im neunzehnten Jahrhundert sang der Dichter Nikolai Nekrassow ein Hohelied auf starke Frauen in der russischen Einöde. Auch Olga aus dem Städtchen Meschtschowsk gehört zu dieser Gattung: Sie vereitelte einen Überfall - und quetschte den Räuber danach aus „wie eine Zitrone“.

          1 Min.

          Im Städtchen Meschtschowsk im Landkreis Kaluga bekam unlängst ein Friseursalon kurz vor Feierabend Besuch von einem athletischen Mann, der mit vorgehaltener Pistole verlangte, ihm die Tageseinnahmen auszuhändigen. Olga, die Chefin, hielt dem Erpresser ihre Schürze mit der Geldbörse hin. Doch als der die Hand danach ausstreckte, bekam er von der in der Sambo-Nahkampftechnik trainierten Haarkünstlerin einen wohlplazierten Schlag ins Diaphragma und flog über ihre Schulter, wie das russische Boulevardportal „Life“ zu berichten weiß.

          Die Amazone fesselte und knebelte den Verdutzten und sperrte ihn in einen Lagerraum. Dann kommandierte sie die Belegschaft: „Wir arbeiten weiter! Gleich kommt die Polizei.“ Der russische Dichter Nikolai Nekrassow sang schon im neunzehnten Jahrhundert ein Hohelied auf gewisse Frauen in der russischen Einöde, die fähig seien, einen Hengst im vollen Lauf anzuhalten und eine brennende Hütte zu betreten. Die zierliche Olga hatte nicht nur einen rabiaten Mann ausgebremst, sondern auch für Feuer in ihrer Hütte ein Faible.

          Ausgequetscht wie eine Zitrone

          Nach Dienstschluss eröffnete sie ihrem Gefangenen, wenn er nicht aufs Polizeirevier wolle, müsse er ihr in allem zu Diensten sein. Drei Tage bekam er Viagra, wurde mit rosafarbenen Plüschhandschellen an einen Heizkörper gekettet und ausgequetscht wie eine Zitrone - gab er später der Polizei zu Protokoll. Als die Friseuse ihn endlich befreite, ließ der zum Liebesspielzeug erniedrigte Räuber zunächst seine durch Überbeanspruchung lädierte männliche Würde, wie das maskuline Körperteil russisch heißt, behandeln, und zeigte dann seine Domina als Vergewaltigerin an. Seine männliche Würde bestand offenbar wirklich nur aus einem Körperteil.

          Die Haarstylistin reagierte entrüstet. Sie habe den Eindringling verpflegt, ihm neue Jeans gekauft und zum Abschied tausend Rubel gegeben, sagte Olga und zeigte den undankbaren Liebespartner wegen versuchten Raubüberfalls an. Er gab zu, er sei „wie im Sanatorium“ behandelt worden. Sogar seine Wäsche habe Olga gewaschen. Beiden droht eine mehrjährige Haftstrafe. Schade, scherzen die Ordnungshüter von Meschtschowsk, dass Olga und ihr Einbrecher einander in der Zelle nicht begegnen, aus ihnen hätte ein großartiges Paar werden können.

          Kerstin Holm

          Redakteurin im Feuilleton.

          Folgen:

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.