Die Besserwisser
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Querdenker-Demonstration in Stuttgart Anfang April dieses Jahres Bild: EPA
Verschwörungstheorien gehören zu den nachhaltigsten Folgen der Pandemie. Wie aber soll eine Gesellschaft streiten, wenn sie sich nicht auf eine gemeinsame Wirklichkeit einigen kann? Ein Gastbeitrag.
Mein Installateur weiß, dass das US-Militär Corona in die Welt gesetzt hat. Eine Frau im Zug erzählt, dass man bei der Impfung einen Chip eingepflanzt bekommt. Ein New Yorker Freund erklärt mir, dass Bill und Melinda Gates in Indien Hunderttausende Menschen getötet und obskure Welteliten sich gegen Trump verschworen haben. Die betagten Eltern eines Freundes wollen sich keinesfalls impfen lassen, „weil das einfach zu gefährlich“ sei. Und noch immer treffe ich Leute, die mich fragen, ob ich denn wirklich „an den Klimawandel glaube“. Neuerdings kommt in Gesprächen gelegentlich ein Moment, in dem man merkt, dass man nicht nur unterschiedliche Meinungen hat, sondern nicht in der gleichen Wirklichkeit lebt. Plötzlich fragt man sich: „Was halte ich für wahr oder für wahrscheinlich, was der andere? Welchen Informationsquellen vertraue ich, welchen mein Gegenüber?“
Was da an Gerüchten zirkuliert, kennen wir zur Genüge: Corona war erst eine Grippe, dann eine Erfindung von Bill Gates. Die Maßnahmen zur Eindämmung der Verbreitung sind eine Unterdrückung bürgerlicher Freiheiten, die Impfungen ein großer Menschenversuch mit offenem Ausgang. Die Wahlen in den USA waren angeblich ein orchestrierter Wahlbetrug, hinter dem eine korrupte Weltelite steht. Diese Elite verjüngt sich, laut der Bewegung QAnon, mit Kinderblut und zieht in Politik und Medien heimlich die Strippen.
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