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Quantentechnologie für die NSA : Wer die Supercomputer baut

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Eine Währung wie geschaffen als Anreiz für die Entwicklung privater Entschlüsselungscomputern: An Bitcoin-Münzen selbst wäre die NSA demnach nicht interessiert Bild: dpa

Die NSA will Quantencomputer, zivile Forscher auch. Bis zu ihrem Einsatz gegen Kryptographie kann es noch dauern. Hat die NSA nicht längst einen anderen Weg gefunden?

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          Über Quanten lässt sich wenig genaues sagen; das gehört zu ihrer Natur. Sollte man sie aber in Computer einbauen, sind diese nicht mehr an oder aus, richtig oder falsch, eins oder null, sondern beides oder alles auf einmal. Entsprechendes gilt für alles, was mit Quanten in Verbindung kommt, auch für Zeitungsmeldungen: Die Nachricht der „Washington Post“, die NSA forsche an einem Quantencomputer, ist also eine gute, eine enttäuschende, eine schlechte und eine merkwürdige.

          Auf den ersten Blick ist es gut, dass die NSA ihr Zehn-Milliarden-Budget auch dafür verwendet, Quantencomputer zu erfinden. Der neuen Technologie, die Rechenschritte nicht mehr sequentiell abarbeitet, sondern größte Probleme auf einen Schlag löst, wohnt natürlich ein konstruktives Potential für die digitale Gesellschaft inne, auch deswegen, weil sich mit ihr viel Strom sparen lässt. Doch es sind gerade einmal achtzig Millionen Dollar, die die NSA investiert. Laut „Washington Post“ geht selbst davon nur ein Teil in die Erforschung von Quantencomputern – das ist enttäuschend. Wie auch der weitere Text der Meldung, der besagt, dass die durch Edward Snowden bekannten Dokumente keine Hinweise darauf enthalten, dass die NSA dem Ziel näher sei als die zivile Forschung.

          Hat die NSA bereits Quantencomputer? Leider nein.

          Die schlechte Nachricht ist: Die von der Zeitung befragten Experten sind sich auch heute nicht sicher, wie weit sie überhaupt noch vom Ziel entfernt sind, die Computer so zu bauen, dass man sie auch verwenden kann. Vor zehn Jahren, schreibt die „Washington Post“, seien es noch „zehn bis hundert Jahre“ gewesen. Vor fünf Jahren „noch zehn“. Eine aktuelle Angabe wollte offenbar kein Experte mehr abgeben.

          Die merkwürdige Nachricht ist, dass die NSA mit dem Quantencomputer darauf abzielen wolle, „Verschlüsselungstechniken wie RSA“ zu brechen. Nun weiß man von vielen Krypto-Technologien, dass der NSA längst Durchbrüche gelungen sind. Dabei half ihr kein Computer, sondern Schmiergeld in Höhe von zehn Millionen Dollar. Das Herstellerunternehmen RSA Security hat für diesen Betrag, auch das weiß man durch Snowden, Hintertüren in seine Generatoren für Zufallszahlen eingebaut, so dass sich die Kalkulationen der Verschlüsselung später einfacher nachvollziehen ließen. Ohnehin – darüber konnte man sich am vergangenen Wochenende beim Chaos Communication Congress in Hamburg in mehreren Vorträgen informieren – vertrauen Experten so mancher Software nicht mehr, während sie die Verschlüsselungs-Mathematik bewundern.

          Wer Bitcoins will, braucht starke Computer: Wie die NSA

          Als am Donnerstagabend die Meldung über die neuen Supercomputer die Runde machte, stellte der Softwareentwickler Kevin Marks, der inzwischen für beinahe jeden amerikanischen IT-Giganten gearbeitet hat, eine ganz andere Frage: „Was wäre, wenn Bitcoin eine riesige Verschwörung wäre, um Hardware zum brute forcen von Hash-Funktionen zu entwickeln?“

          Diese Frage kommt selbst ein wenig kryptisch daher, doch sie ist wichtig: Seit wenigen Jahren gibt es eine digitale Währung (Bitcoin), die aus nichts anderem als Lösungen mathematischer Funktionen besteht, die dieselben sind, mit denen sich Dateien verschlüsseln lassen. Könne es sein, dass Bitcoin eine Technologie ist, die gezielt geschaffen wurde, um einen zivilen Markt für die Entwicklung von Computern zu schaffen, mit der sich Verschlüsselungsalgorithmen optimierter berechnen lassen?

          In der Tat: Seit Bitcoin zur lukrativen Währung wurde – der Dollarkurs für ein Bitcoin stieg in wenigen Jahren von null auf tausend Dollar und unterliegt starken Schwankungen – schießen Hersteller von Computern aus dem Boden, mit denen sich wenig anderes tun lässt, als Bitcoins zu erzeugen. Warum könnte Bitcoin kein forciertes Programm sein, um die Rechenleistung von Computern gerade dort zu verbessern, wo sie sich für das Brechen von Kryptographie nutzen lässt? Die NSA ist um abstruse Anstrengungen selten verlegen, wie man heute weiß.

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