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Russland : Leben nach Putin

  • -Aktualisiert am

Ein Bild aus unglücklicheren Tagen: Ljudmila Putina, Ex-Gatte Wladimir Putin mit Veronica Lario und Ex-Gatte Silvio Berlusconi im Jahr 2005. Bild: AP

Gibt es ein Leben nach Putin? Russland möchte lieber nicht darüber nachdenken, Putins Ex-Frau dafür umso lieber. Vieles spricht für ihre Heirat mit einem sportlichen jungen Mann.

          2 Min.

          Als Wladimir Putin im Jahr 2000 Präsident von Russland wurde, sollen seine Frau und seine Töchter in Tränen ausgebrochen sein. Denn sie wussten, das bedeutete „lebenslänglich“: Sie würden bis ans Ende ihrer Tage das Schicksal der Machtspitze ihres Landes teilen. Umso plausibler klangen Gerüchte, Ljudmila Putina, die als First Lady so gut wie unsichtbar war, sei nach der Scheidung von dem Präsidenten 2013 in ein Kloster gegangen. Denn dort landeten unglückliche Exfrauen rabiater russischer Selbstherrscher wie Iwans des Schrecklichen und Peters des Großen.

          Dann meldete sich aus Nowosibirsk der koloritvolle pensionierte Oberst Juri Babin, der wegen seiner Sammlung von 7,5 Millionen Kopekenmünzen „Kopekenmillionär“ genannt wird, und bot der frisch Geschiedenen Herz und Hand. Doch Ljudmila Alexandrowna, die in erster Ehe oft unglücklich wirkte, scheint sich in Moskau neu vermählt zu haben, und zwar mit einem attraktiven, sportbegeisterten Mann, der ihr Sohn sein könnte. Das fand das Nachrichtenportal „Sobesednik“ (Gesprächspartner) heraus, und es wurde von einem Mitarbeiter von Korruptionsjäger Alexej Nawalnyj bestätigt.

          Zwischenmenschliche Kommunikation

          Demnach nahm Wladimir Putins Ex zunächst wieder ihren Mädchennamen Schkrebnjowa an. Denn als Schkrebnjowa erscheint Ljudmila Alexandrowna 2014 in den Gründungspapieren einer Tochterfirma der Stiftung „Zentr raswitija meschlitschnostnych kommunikazij“ (Zentrum zur Entwicklung zwischenmenschlicher Kommunikation) namens „Interieur-Service“. Das Zentrum, das seit der Jahrtausendwende Lehrbücher publiziert, Lesungen und Fortbildungskurse veranstaltet und Literaturpreise vergibt, wurde stets von der Präsidentengattin protegiert. Über die Tochterfirma „Meridian“ verpachtet es zudem Premiumimmobilien im Moskauer Stadtzentrum. „Meridian“ wurde eine Weile von dem 37 Jahre alten Artur Otscheretnyj geleitet, der heute dem „Zentrum“ vorsitzt und dessen Namen Ljudmila Putina-Schkrebnjowa inzwischen angenommen hat.

          Das geht aus dem Petersburger Wohnungsgrundbuch hervor, wo seit vorigem Dezember eine Ljudmila Alexandrowna Otscheretnaja, die dasselbe Geburtsdatum hat wie die geschiedene Präsidentengattin, als Besitzerin der Wohnung eingetragen ist, die 1995 den Putins zugeteilt wurde und später zunächst in den Besitz von Ljudmila Alexandrownas Mutter und danach von ihrer Schwester Olga Zomajewa gelangte. „Sobesednik“ will außerdem ermittelt haben, dass der Pass von Ljudmila Otscheretnaja vorigen Februar ausgestellt wurde, und zwar von der Zentralbehörde des Migrationsdienstes, nicht von einem seiner Lokalbüros, was auf einen V.I.P.-Status der Inhaberin schließen lässt. Otscheretnyj hat einen kleinen Sohn, über dessen Mutter nichts bekannt ist, und ein jungenhaftes Lachen. Vielleicht gibt es auch für Russland ein Leben nach Putin.

          Kerstin Holm
          Redakteurin im Feuilleton.

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