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Tucker Carlson : Putins bester Kumpel bei Fox News

  • -Aktualisiert am

Der amerikanische Fernsehmoderator Tucker Carlson hat an Putin nichts auszusetzen. Bild: AFP

Tucker Carlson ist der Starmoderator von Fox News. Als solcher redet er Despoten das Wort und greift die Demokratie an. Und Rupert Murdoch lässt ihn machen.

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          Als „amerikanischen Nationalisten“ bezeichnete die „New York Times“ neulich Tucker Carlson in der Überschrift einer dreiteiligen Serie über den Einpeitscher von Fox News. Doch das ist zu harmlos. Carlson, der das quotenstärkste Politmagazin im amerikanischen Kabelfernsehen macht, ist ein Opportunist, der sich als Apologet antidemokratischen Gedankenguts eine goldene Nase verdient.

          Man nenne ihn ja bloß einen Rassisten, um ihn zum Schweigen zu bringen, sagt der Mann mit der Schuljungen-Erscheinung, der über den drohenden „Austausch“ weißer Amerikaner durch dunkelhäutigere Menschen doziert und behauptet, Amerika werde durch mexikanische Immigranten „dreckiger“.

          Carlson schärft seinen Zuschauern allabendlich ein, dass sie von „denen da oben“ betrogen werden, dass die Demokraten konservative Stimmen in Amerika „zensieren“ und „zum Schweigen bringen“ wollten. Er produzierte eine Dokumentation namens „Patriot ­Purge“, die den Sturm aufs Kapitol als Inszenierung dunkler Mächte zur „Säuberung“ von Trump-Fans fasst.

          Jetzt behauptete Carlson in seiner Sendung, Trumps Wahl 2016 habe die Demokraten in ihrem Entsetzen über den eigenen Verlust dazu verleitet, eine kindische Geschichte zu erfinden: Putin habe Trump an die Macht verholfen. Deswegen wolle Biden nun die russische Regierung stürzen. „Die Demokraten haben sich selbst davon überzeugt, dass Russland die amerikanische Präsidentschaft gestohlen habe, die angeblich rechtmäßig Hillary Clinton gehörte. Und deswegen ziehen sie uns in einen Krieg mit Russland“, sagte Carlson. Es gehe den Demokraten nicht um die Rettung der Demokratie oder den Schutz einer souveränen Nation, sondern um Rache an Russland.

          „Feixende Gegenwind-Buhlerei“ nannte dies die „Times“, Carlson geriere sich „als Partner seiner gekränkten Zuschauer in deren Opferrolle“. Fox News teilte mit, man sei auf Carlsons Sendung besonders stolz „in einer Zeit, in der die meisten in den Medien nur eine einzige Perspektive verstärken“. Dass Carlson eine echte Debatte im Sinn hätte, ist indes nicht zu erkennen. Tatsächlich drehen sich die Beiträge seiner Sendung bloß um boshafte Häme gegen den politischen Gegner und die sogenannten Mainstream-Medien, die er als „brave kleine Establishment-Verteidiger“ bezeichnet. Es geht hier nicht um Werte, um politische Auseinandersetzung, um die Herausforderungen an die Demokratie oder gar um Menschen; es geht ums Aufpeitschen von Angst und Wut und Ressentiments, denn das bringt Quote.

          Carlson beutet den spalterischen Impetus aus, an dem sich soziale Netzwerke nähren: Was aufregt, trendet. Als Rechtfertigung dient der Verweis auf die freie Rede, etwa bei der Verteidigung Wladimir Putins: Der habe ihm schließlich noch nie mit der Entlassung gedroht, weil er anderer Meinung sei, so Carlson, also müsse er Putin kaum hassen. Dass er solche Autokraten-Verharmlosung einem Millionenpublikum hinwerfen darf, ist auch Rupert Murdoch zu verdanken, dem Carlson der „Times“ zufolge direkt untersteht und der ihn gewähren lässt. Das hat Folgen. Carlson befeuert einen antidemokratischen Chic, den zuletzt der „Atlantic“ und „Vanity Fair“ in Stücken über den Trend unter jungen, gebildeten Konservativen aufzeigten, die ganz lässig dem Despotismus das Wort reden. Tucker Carlson indes ist zum Darling von Wladimir Putin aufgestiegen.

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