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Putins Beichtvater im Gespräch : „Das ist nicht Kunst, das ist Randale“

Bischof Tichon im liturgischen Festgewand Bild: RIA Novosti

Bischof Tichon gilt als Putins Beichtvater – und mit der Toleranz hat er’s nicht so. Ein Gespräch über Pussy Riot, die Besetzung der Krim und die Frage, ob Iwan der Schreckliche besser war als sein Ruf.

          9 Min.

          Bischof Tichon empfängt in seiner Residenz im Sretenski-Kloster an der Lubjanka in einem gemütlichen, mit zwei großen Ikonen geschmückten Salon. Der 59 Jahre alte Geistliche trägt eine schlichte Kutte mit schmalem Ledergurt. Er bewirtet seine Gäste mit Tee, dem Osterkuchen Kulitsch und der Osterspeise Paßcha.

          Kerstin Holm
          Redakteurin im Feuilleton.

          Herzliche Glückwünsche, Hochwürden, zu den vollen, stetig mehr werdenden Kirchen und Klöstern! Letztere sind in Russland ja wieder so zahlreich wie unterm Zaren, es gibt etwa tausend.

          Nach dem Fall des kommunistischen Regimes fand zweifellos eine Umwertung der Werte statt. Moskau besaß in den achtziger Jahren etwa vierzig Kirchen, jetzt sind es mehr als vierhundert. Freilich herrschte auch unter der Sowjetmacht kein totaler Atheismus. Bei der Volkszählung im Terrorjahr 1937, als es lebensgefährlich war, einen Priester unter seinen Vorfahren zu erwähnen, wurde auch nach der Einstellung zum Glauben gefragt. 56,7 Prozent der Bevölkerung wagten es damals, sich als gläubig zu bezeichnen.

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