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Putin in der „New York Times“ : Zeilenhonorar

  • -Aktualisiert am

In einem Gastbeitrag in der „New York Times“ nimmt Putin zum Bürgerkrieg in Syrien Stellung. Gott habe die Menschen gleich geschaffen, schließt der russische Präsident seinen Text. Aber geographisch unterschiedlich verteilt, könnte man hinzufügen.

          Wladimir Putin weiß, dass er nicht der einzige Staatslenker ist, dessen Wahlvolk sich oft nicht von ihm vertreten fühlt. Mit seinem Artikel „Ein Appell zur Vorsicht“ in der „New York Times“ wendet der russische Präsident sich direkt an die demokratisch gesonnene Öffentlichkeit der Vereinigten Staaten, die von einem Militärschlag in Syrien, zu dem sein amerikanischer Kollege Obama von einer starken politischen Lobby gedrängt wird, nichts wissen will.

          In seinem vom russischen Internetpublikum begeistert aufgenommenen Vorstoß erinnert Putin daran, dass in Syrien keineswegs Anhänger der Demokratie gegen den Tyrannen Assad kämpfen, dass zu den Gegnern einer bewaffneten Aktion auch der Papst gehöre und dass bisherige westliche Einsätze etwa im Irak und in Libyen bürgerkriegsartige Spannungen eher perpetuiert, das internationale Ansehen Amerikas schwer beschädigt und den längerfristigen Interessen der Supermacht keineswegs genützt hätten.

          Während die journalistische Prominenz an der russischen Heimatfront noch von den Manipulationen bei der Moskauer Bürgermeisterwahl absorbiert ist, erklärt der Philologe Fjodor Lukjanow, der die Zeitschrift „Russia in Global Affairs“ herausgibt, warum Russland, von dem man zu wissen glaubte, dass es nur die Spiele anderer torpedieren kann, seit einer Woche die Welt mit konstruktiven Vorschlägen überrascht: Im Syrien-Konflikt erblicke der Kreml eine Verlängerung der Libyen-Krise und zugleich den schicksalhaften Modellfall dafür, wie die westliche Welt künftig mit Konflikten innerhalb eines Staates umgehen werde. Russland wolle auf keinen Fall wieder in die Lage von vor zwei Jahren geraten, als es kein Veto gegen die Uno-Resolution zu Libyen einlegte und für das „Schema des Westens“, sich militärisch einseitig für die Rebellen zu engagieren, mitverantwortlich wurde, so der Amerika-Spezialist.

          Auf der anderen Seite des Erdballs mahnt der amerikanische Russistik-Professor Steven F. Cohen, Obama müsse der Diplomatie, die er bisher nur verbal hochhalte, eine echte Chance geben. Wobei Cohen sich keine Illusionen über den Widerstand eines mächtigen Teils des amerikanischen Establishments macht. Gott habe die Menschen gleich geschaffen, schließt Putin seinen Text. Aber geographisch unterschiedlich verteilt, könnte man hinzufügen. Während den einen die politischen Optionen offenstehen, müssen die andern sie vor allem ausbaden.

          Kerstin Holm

          Redakteurin im Feuilleton.

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