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Psychologie : Was ist schön?

Ein schöner Sonnenuntergang Bild: dpa

Über die Definition von Schönheit diskutieren Philosophen seit Jahrtausenden. Nun wollen auch Psychologen ein Wörtchen mitreden und legen dabei eine etwas eigenwillige Kant-Interpretation zugrunde.

          Das Schöne gibt dem Menschen bekanntlich seit Jahrtausenden Rätsel auf. Ist Schönheit etwas, was den Dingen zukommt? Eine einheitsstiftende Form vielleicht oder die harmonische Proportion der Teile eines Ganzen? Oder liegt sie vielmehr im Auge des Betrachters? Kann also alles schön sein, sofern es nur von irgendwem derart empfunden wird? Immanuel Kant hat sich zu diesen Fragen ausführlich geäußert. Kein rein subjektives Lustgefühl steht nach Kant am Anfang der Schönheitserscheinung, sondern das freie Spiel von Einbildungskraft und Verstand. Die schöne Natur entspricht von selbst der allgemeinen Zweckmäßigkeit des Verstandes, ohne dass dieser sie durch Begriffe einschränken muss. Vom Guten und Angenehmen ist das Schöne insbesondere dadurch unterschieden, dass es ein interessenloses Wohlgefallen hervorruft. Der schöne Gegenstand ist damit weder dem Begriff noch dem Begehren unterworfen.

          Das klingt aber ganz schön kompliziert, denken sich die Nichtphilosophen, kann man das nicht einfacher sagen? Es stellt sich heraus: Man kann. Zumindest wenn man der Studie der Psychologen Aenne Brielmann und Denis Pelli von der New York University Glauben schenkt, in der die Autoren Kants Analytik des Schönen nach einigem Experimentieren kurz und bündig in einem Satz zusammenfassen: „Schönheit erfordert Denken, sinnliches Vergnügen nicht.“ Die Vereinfachung hat den Vorteil, dass man empirisch überprüfbar machen kann, was nie als empirisch überprüfbar gemeint war. Brielmann und Pelli setzten Teilnehmer ihrer Studie verschiedenen Stimuli aus und befragten sie hinterher, ob sie dabei Schönheit empfunden hätten. Was Schönheit allerdings bedeuten sollte, ließen sie offen, um ihre Teilnehmer nicht „mit philosophischem Ballast zu beschweren“. Als Kandidaten für Schönheit wurden Bilder mit Motiven vom Sonnenaufgang bis zum Ikea-Möbel präsentiert, aber auch rein sinnliche Reize, hervorgerufen durch Süßigkeiten und flauschige Teddybären.

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          Um den Einfluss des Denkens zu testen, lenkten sie die Probanden in einem Durchlauf mit einer parallel zu absolvierenden Erinnerungsaufgabe von den Stimuli ab. Und siehe da: Abgelenkt wurden vorher als schön empfundene Bilder nicht mehr als so schön wahrgenommen. Das Lutschen von Bonbons und Streicheln von Teddys blieb allerdings von den Ablenkungsmanövern unbeeinflusst, gleichgültig, ob diese sinnlichen Erfahrungen auch als schön empfunden wurden. Kant bestätigt, so das Resümee der Autoren in Bezug auf ihre Ausgangsthese. Kant widerlegt allerdings im Hinblick auf die von Probanden festgestellte Schönheit des rein sinnlichen Bonbonlutschens. „Natürlich kann alles schön sein“, wird in der Studie ein Proband zitiert, auch Bonbonlutschen. Drei Prozent der Teilnehmer fanden sogar Ikea-Möbel schön, kantische Interessenfreiheit hin oder her. Dass Kant selbst diese Studie schön gefunden hätte, scheint dagegen relativ ausgeschlossen.

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