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Prozesse : Springer zieht gegen Wallraff vor Gericht

  • Aktualisiert am

Kämpferisch: Wallraff Bild: AP

Der Springer-Verlag hat Widerspruch gegen eine Einstweilige Verfügung Günter Wallraffs eingelegt, nach der dieser nicht als „Stasi-IM“ bezeichnet werden dürfe. Wallraff und sein Anwalt sprechen weiter von „Rufmord“.

          Die Stasi-Vorwürfe gegen den Autor Günter Wallraff beschäftigen abermals die Gerichte. Am 19. September wird das Hamburger Landgericht über den Widerspruch des Springer-Verlages gegen eine Einstweilige Verfügung Wallraffs verhandeln, bestätigte am Mittwoch die Gerichtspressestelle.

          Der Autor hatte dem Verlag darin untersagt, den Begriff „Stasi-IM Günter Wallraff“ weiter zu verwenden. Bei Zuwiderhandlungen hätte Springer nach Angaben von Wallraffs Anwalt ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro gedroht. Die Springer-Blätter „Welt“ und „Berliner Morgenpost“ hatten in einer Reihe von Artikeln über angeblich neue Beweise für eine Tätigkeit Wallraffs für die Staatssicherheit der DDR zwischen 1968 und 1971 berichtet.

          „Rufmordkampagne“

          Wallraffs Anwalt Helmuth Jipp erklärte, für diese Berichterstattung gebe es „keinerlei Beweise, nicht einmal tragfähige Anhaltspunkte“. Bei der Artikel-Serie habe es sich um eine „unverhältnismäßige Rufmordkampagne“ gehandelt. „Die von der Gauck- und von der Birthler-Behörde längst widerlegten Vorwürfe waren wider besseren Wissens neu aufbereitet worden“, sagte Wallraff.

          Jipp beschuldigte die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler, in diesem Zusammenhang der bewußten Falschdarstellung. Diese wies den Vorwurf energisch zurück. Ihre Behörde halte die Einschätzung aufrecht, daß Wallraff als IM erfaßt war und daß es ernst zunehmende Hinweise auf eine aktive Tätigkeit Wallraffs als Stasi-Informant für den Zeitraum 1968 bis 1971 gebe. Die Argumentation des Anwalts, wonach Wallraff als so genannte A-Quelle der Stasi von dieser abgeschöpft worden sei, sei nicht zu halten.

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