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Prozesse : Raab muß zahlen

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Nicht jeder versteht seine Späße: Stefan Raab Bild: dpa

Weil die 18-jährige Schülerin Lisa Loch monatelang unter den derben Späßen von TV-Moderator Stefan Raab leiden musste, erhält sie 22.000 Euro Schmerzensgeld. Das entschied das Essener Landgericht am Donnerstag.

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          Der TV-Moderator Stefan Raab muss Schmerzensgeld für seine derben Späße mit der Essener Schülerin Lisa Loch (18) zahlen. Insgesamt soll 22.000 Euro an die Schülerin fließen, 5000 Euro davon direkt von Raab und Raab TV. Das hat am Donnerstag das Landgericht Essen entschieden.

          Raab hatte die Gymnasiastin Ende 2001 bei der Wahl zur „Miss Rhein-Ruhr“ entdeckt und sie anschließend in seiner Sendung „TV Total“ (Pro Sieben) allein auf Grund ihres Namens in die Nähe der Pornobranche gerückt. Die Schülerin hatte dem Gericht erklärt, sie sei zum Gespött ihrer Schule geworden. Sie hatte Raab ursprünglich auf Zahlung von 300.000 Euro Schmerzensgeld verklagt. Ihr Anwalt hat Berufung angekündigt.

          „Wir machen gar nichts“

          Neben Raab hatte die Essener Schülerin auch Raab TV, den Sender Pro Sieben und die Produktionsgesellschaft Brainpool verklagt. Laut Urteil der 4. Zivilkammer müssen alle vier gemeinsam 17.000 Euro aufbringen. Rechtsvertreter von Stefan Raab und ProSieben kündigten nach dem Urteil keinerlei rechtliche Schritte an. „Wir machen gar nichts“, sagte Peter Lück, leitender Justiziar der Pro SiebenSat1. Media AG.

          Bei einem ersten Gerichtstermin im November 2002 hatte sich Lisa Loch vor der 4. Zivilkammer des Essener Landgerichts ebenfalls bitter über die Sprüche von Stefan Raab beschwert. „Es ist einfach furchtbar“, sagte sie damals unter Tränen. Alle hätten mit dem Finger auf sie gezeigt. Es habe obszöne Anrufe, Beleidigungen und Spottgesänge auf der Straße gegeben. Sie habe deshalb sogar eine Psychotherapie machen müssen.

          Raab-Anwalt Heiko Klatt nahm den TV-Moderator vor Gericht in Schutz. „Es war nicht die Absicht, eine Privatperson in einer Weise zu diskreditieren, dass sie darunter leidet“, sagte er dem Gericht. Durch zahlreiche Interviews und Fernsehauftritte habe Lisa Loch allerdings auch mit dazu beigetragen, dass das Thema bis heute in der Öffentlichkeit geblieben sei. Vor einem halben Jahr war bereits Raabs Produktionsfirma Brainpool in Köln wegen der Bezeichnung eines Mannes als „schwule Sau“ zu 5000 Euro Schadenersatz verurteilt worden.

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