https://www.faz.net/-gqz-a3mzw

Prozess um Charlie-Hebdo-Morde : Haben die Terroristen gewonnen?

Corinne „Coco“ Rey musste die Terroristen ins Redaktionsgebäude lassen. Bild: AFP

Die mutmaßlichen Helfer der Attentäter stehen vor Gericht, aber der islamistische Terror gegen die Satirezeitung „Charlie Hebdo“ geht weiter: Eine Mitarbeiterin musste aus ihrer Wohnung in Sicherheit gebracht werden.

          3 Min.

          Die Terroristen kamen zur Mittwochskonferenz. „Coco, Coco“, riefen sie. Die Zeichnerin Corinne „Coco“ Rey hatte die Redaktion auf eine Zigarettenpause verlassen, als zwei Männer mit Maschinenpistolen sie ansprachen. „Wir wollen Charlie, wir wollen Charb“, den Chefredakteur der satirischen Zeitschrift. „Sie haben den Propheten beleidigt.“ Sie erzählt, wie sie die Mörder ins Haus lassen musste. Zwölf Tote forderte das Attentat am 7. Januar 2015. Zwei Tage später wurden die Brüder Saïd und Chérif Kouachi in einer Druckerei erschossen, in Paris kam es zum Anschlag auf den jüdischen Supermarkt „Hyper Cacher“.

          Jürg Altwegg
          Freier Autor im Feuilleton.

          „Fünf Jahre danach ist alles viel schlimmer“, sagte Richard Malka, der Anwalt der Zeitschrift, zu Beginn des Prozesses, der seit Anfang des Monats in Paris gegen mutmaßliche Unterstützer der Attentäter läuft. Malka will das Verfahren als „politischen Prozess gegen eine Ideologie“ führen. Als Motiv des Verbrechens nennt er den „Willen, die Kritik an Gott zu verbieten“. Die Täter sind tot: „Wer aber hat sie intellektuell aufgerüstet? Was mich interessiert, ist die Hirnwäsche. Am Anfang ist immer das Wort.“ Das Presseecho ist groß. Für „Charlie Hebdo“ verfolgen der Schriftsteller Yannick Haenel und der Zeichner François Boucq den Prozess. Täglich verfassen sie einen Bericht, der als Newsletter verschickt wird. Es ist ein „historischer Prozess“ für die Nachwelt. Er wird gefilmt. Noch zwei Monate soll er dauern.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.
          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+
          Schnelle Produktion: Ein Brückenträger für Genua, geschweißt in der Werft, montiert auf der Baustelle

          Brücken vom Dock : Wie Italiens Werften Brücken bauen

          Deutschland hat stillgelegte Werften und kaputte Brücken. Was man daraus machen kann, zeigt Italien in vorbildlicher Manier. Der Schiffsbaukonzern Fincantieri denkt die Stahlverarbeitung breiter.
          Durch ein neues Missbrauchsgutachten schwer belastet: der damalige Papst, Benedikt XVI., am 17. Oktober 2005 im Petersdom im Vatikan

          Missbrauch im Erzbistum München : Die Lüge Benedikts

          Ein Gutachten über sexuellen Missbrauch im Erzbistum München belastet den emeritierten Papst. Fragen wirft vor allem ein Sitzungsprotokoll aus dem Jahr 1980 auf.