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Professorengehälter : Wer sparen will, spricht von Leistungsentlohnung

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Duchaus standesgemäß: Hier wohnte der Physiker Niels Bohr - nach seinem Tod wurde die Residenz für tadellose Personen des wissenschaftlichen Lebens zur Verfügung gestellt Bild: IMAGO

Die Besoldung der Professoren liegt dem Verfassungsgericht zur Überprüfung vor: Es geht um die Freiheit der Wissenschaft und um fragwürdige Leistungskontrollen.

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          Im Jahre 2002 stellte der Bundesgesetzgeber die Professorenbesoldung auf eine neue Grundlage. Nunmehr hielt das marktliberale Element variabler, teils befristeter Gehaltszuschläge in die deutschen Universitäten Einzug. Zuvor war es zu heftigen Auseinandersetzungen um die Unabhängigkeit und das Einkommensniveau der Universitätsprofessoren gekommen. Aber danach wurde es in einem Klima zahlloser diskreter Gehaltsverhandlungen recht still um diese Streitfrage.

          Erst gegen Ende des Jahrzehnts geriet die neue „W-Besoldung“ wieder ins Blickfeld der Medien, als das Verwaltungsgericht Gießen im Jahr 2008 der Klage eines mit seiner Besoldung unzufriedenen Chemieprofessors stattgab und die neue Besoldungsordnung den Karlsruher Verfassungsrichtern zur Prüfung vorlegte. Der Stein des Anstoßes war das „amtsunangemessen“ niedrige Grundgehalt der Professoren, das im Quervergleich der Besoldungsordnungen unverhältnismäßig stark abgesenkt worden war, wenn man die geforderte Ausbildung, Beanspruchung und Reputation eines Professors berücksichtigte. Der Karlsruher Richterspruch wird für den 14. Februar erwartet.

          Der neuen Professorenbesoldung, von der spätestens ab 2005 alle Neuberufenen betroffen waren, ließ sich eine gewisse wettbewerbspolitische Raffinesse nicht absprechen. Sie ersetzte die alte Besoldungsordnung mitsamt ihren leistungsunabhängigen Dienstaltersstufen durch ein zweigliedriges System aus festem Grundgehalt und leistungsabhängigen Gehaltszulagen, wobei die garantierten Grundgehälter gegenüber der alten Besoldungsordnung stark abgesenkt wurden, aber mit variablen Gehaltszuschlägen beträchtlich aufgestockt werden konnten.

          Wahrheitssucher im Faulpelz

          Das neue System finanzierte sich aus den frei werdenden Mitteln der abgeschafften Dienstaltersstufen. Eingebettet war die Neuregelung in ein Bündel von Reformmaßnahmen, durch die alle Universitäten wettbewerbsbewusster, marktnäher und flexibler gemacht werden sollten. Spätestens seit 1996 wollten die im Bund regierenden Christdemokraten „keine Tabus“ mehr gelten lassen,

          wenn es um wettbewerbsgebundene Hochschulautonomie und leistungsorientierte Hochschulfinanzierung ging. Leistungsanreize aus der Ideenwerkstatt der Betriebswirtschaftslehre erhielten als universitäres Steuerungsinstrument eine neue Schlüsselstellung. „Unternehmerische“, von den Zwängen der kollegialen Selbstverwaltung entbundene Hochschulleitungen sollten auf Basis eigenständiger Globalhaushalte auch in Gehaltsfragen zwischen leistungsorientierten und unmotivierten Professoren unterscheiden können.

          Ermutigend wirkte auf die Politik, dass der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz Klaus Landfried 1999 eindringlich vor den „Faulpelzen“ unter den Hochschullehrern warnte, um mehr Kompetenzen für die Hochschulleitungen durchzusetzen. Mit neuen wettbewerbsorientierten Anreizen wollte man den schwächelnden Wissenschafts- und Technologiestandort Deutschland im globalen Wettbewerb auf Vordermann bringen. Wer sich dem widersetzte, den brandmarkte der Zeitgeist der späten neunziger Jahre parteiübergreifend als standesegoistischen Besitzstandswahrer, der sich in bequemer Beamtenstellung dem Leistungswettbewerb entziehen wollte.

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