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Pro & Contra : Soll Josph Blatter künftig eine größere Rolle spielen?

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Der Teflon-Don der internationalen Fußballgemeinde: Sepp Blatter. Bild: AFP

Gerade wurde er als Fifa-Präsident wiedergewählt. Da fragen wir uns: Was wird aus Sepp Blatter? Sollte er nicht eigentlich noch viel, viel wichtiger werden?

          2 Min.

          PRO (Peter Körte)

          Wem wird das schon zuteil, eine derartige Internationale der Empörung, mit Rücktrittsforderungen von Amnesty International bis zur IG Bau, vom britischen Premier bis zum „Oberbayerischen Volksblatt“? Normalerweise muss man ein anerkannter Menschenrechtsverletzer vom Schlage Mugabes oder Kim Jong-uns sein, um ganz allein gegen den Rest der Welt - außer Putin und Beckenbauer - zu stehen. Joseph Blatter, der Oberhirte der globalen Fußballfamilie, welcher mehr Mitglieder angehören als den Vereinten Nationen, ist das alles zugeflogen, wie ihm auch bis vor kurzem die großen Konzerne dieser Welt zugeflogen sind als Sponsoren. Und noch während die Reihen um ihn sich lichten, weil etliche seiner Fifa-Funktionäre, um nur ein paar Delikte zu nennen, wegen Korruption, Geldwäsche oder Betrug in Haft sitzen, während alle sich wundern, dass es ihn, den großen Drahtzieher, nicht erwischt hat, da geht er schon den Weg, welcher ihn abhebt von all den Paten des organisierten Verbrechens, mit denen manche ihn, sehr unscharf, verglichen haben, denn im Namen oder Auftrag der Fifa wird nicht gefoltert und gemordet. Im Namen der Fifa wird aufgeklärt, und es ist der Präsident selbst, der sich an die Spitze der Aufklärer setzt. „Wir können nicht zulassen, dass die Schuldigen den Ruf der Fifa beschädigen“, hat Blatter gesagt - und mit der Personalunion von Verdunkler und Aufklärer mühelos jeden Teflon-Don, an dem nie etwas hängen bleibt, oder andere sinistre Gestalten überboten. Mit dieser irren Dialektik der Selbstreinigung bereichert er zugleich das Spektrum der Mythologie. Er muss nicht erlöst werden wie Darth Vader. Er erlöst sich selbst. Noch besser wäre es natürlich, er erlöste auch die Fifa von sich.

          CONTRA (Antonia Baum)

          Joseph Blatter darf in Deutschland allein deswegen keine noch größere Rolle mehr spielen, weil er drei (3) Mal verheiratet war, aber nur ein Kind produziert hat. Das ist nicht in Ordnung, schließlich schützen wir hier nicht umsonst die Ehe, und was, bitte, ist die Ehe noch wert, wenn da nur ein Blatter-Nachkomme rauskommt, bei insgesamt drei Blatter-Ehefrauen, die auf nur einen Blatter kommen? Jetzt könnte man mir vorwerfen, dass ich Blatter diskriminiere, denn was geht mich sein Sex an? Andererseits diskriminiere ich ihn eben nicht, denn obwohl er Schweizer ist, beziehe ich ihn in die deutsche Ehelogik ein, und das völlig selbstverständlich und weltoffen. Ergo, vulgo, summa cum laude: So ein Blatter wäre mir gar nicht erst ins deutsche Haus gekommen, und erst recht nicht ins internationale. Oh je, das wird mir hier jetzt irgendwie zu, na ja, exklusiv und gemein, denn ich bin in Gedanken eben haarscharf an der Vererbungslehre beziehungsweise einer total fiesen Genargumentation vorbeigeschlittert, denn mich stört Blatters Glatze, die er ja theoretisch an seine Nachkommen hätte vererben können. Und wie würde sich eine Glatze bitte für eine Blatter-Nachkommin machen, die ja aller Wahrscheinlichkeit nach Fußballprofi werden müsste? Der Blatter-Joseph hat sich aber erst anno 2004 dafür ausgesprochen, dass Frauen sich beim Fußballspielen sexier anziehen sollten, damit ihnen mehr Leute dabei zusehen, und die Frage, die sich da natürlich sofort aufdrängt, ist: Warum gucken so viele Leute und deutsche Politiker Joseph Blatter so intensiv bei seinem Sturz zu, wo doch ganz andere Dinge gestürzt gehören, nämlich sie selbst, also der BND, die Regierung, der Blatterismus, denn es sehen einfach viel zu viele Menschen aus wie Joseph Blatter.

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