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Pressefreiheit in Bulgarien : Das konnte man als Drohung verstehen

Bulgarien im Jahr 2013: Im Land werden Regierungsgegner in Gewahrsam genommen - hier ein Student am 12. November in Sofia - , bei der Deutschen Welle interveniert eine Bank gegen unliebsame Berichterstattung Bild: dpa

Die Deutsche Welle bekommt Post von einer bulgarischen Bank. Dann wird zwei Journalisten des Senders gekündigt. Was das miteinander zu tun hat?

          5 Min.

          Zehn Führungsmitglieder der Deutschen Welle erhielten Anfang September einen Brief der Korporativen Handelsbank (KTB) aus Bulgarien. Dreizehn Seiten Vorwürfe - und eine Drohung. Zu lesen bekamen das unter anderen der Vorsitzende des Verwaltungsrats, der Vorsitzende des Rundfunkrats und der Intendant des Hauses. Kurz danach beendete die Deutsche Welle die Zusammenarbeit mit zwei langjährigen freien Mitarbeitern der bulgarischen Redaktion. Später ruderte der Sender zurück, und heute heißt es, die Zusammenarbeit sei nur „ausgesetzt“, bis die Vorwürfe überprüft seien. Bevor die Deutsche Welle möglicherweise wieder mit den beiden Autoren zusammenarbeitet, will sie nun mit ihnen über „journalistische Standards“ reden. Aber die Frage ist, welchen Standards die Deutsche Welle folgt.

          Julian Staib
          Politischer Korrespondent für Norddeutschland und Skandinavien mit Sitz in Hamburg.

          „Mit diesem Schreiben möchten wir Ihnen eine besorgniserregende Tendenz in Ihrem Medium signalisieren“, schreibt die KTB in dem auf den 30. August datierten Brief, der dieser Zeitung vorliegt (PDF-Link). Darin findet sich der Vorwurf: Die beiden freien Mitarbeiter Emmy Barouh und Ivan Bedrov benutzten den Namen der „renommierten und geschätzten Deutschen Welle, um Druck auf unser Unternehmen auszuüben“ und die Bank und insbesondere Herrn Tzvetan Vassilev, den Aufsichtsratsvorsitzenden, zu diskreditieren.

          Eine knappe Kündigungsmail

          Dann werden ins Deutsche übersetzte Auszüge aus dreizehn unterschiedlichen Texten der beiden Journalisten zitiert. In keinem Fall sei die Meinung der Bank und Herrn Vassilevs erfragt worden. Man sei überzeugt, dass die Deutsche Welle „umgehend die notwendigen Maßnahmen ergreifen werde, diese deplazierte Kampagne zu beendigen“. Letzteres sei „im gemeinsamen Interesse, wodurch sich die Überweisung des Falls an die zuständigen staatlichen und europäischen Behörden und Institutionen verhindern ließe“.

          Die Deutsche Welle hat wenige Tage nach Eingang des Briefes die Zusammenarbeit mit den beiden betroffenen Journalisten beendet. Eine Untersuchung ihrer Artikel habe ergeben, dass diese nicht den „journalistischen Standards“ entsprochen hätten. So steht es nach Angaben Emmy Barouhs in einer knappen Kündigungsmail. „Wir wünschen Ihnen alles Gute für die Zukunft“, endet diese. Emmy Barouh arbeitete seit 1989 für die Deutsche Welle.

          Verflechtung von Politik und Medien

          Der Fall schlug in Bulgarien hohe Wellen. „Deutsche Welle unter Druck von Oligarchen“, lautete eine Überschrift. „Das war ein erheblicher Schlag für die Reputation der Deutschen Welle“, sagt ein langjähriger Beobachter aus Bulgarien. „Das haben die wahrscheinlich unterschätzt.“ Die Deutsche Welle werde als eines der letzten unabhängigen Medien wahrgenommen. Ein Medium, das nicht instrumentalisiert sei im innenpolitischen Interessengeflecht. In den vergangenen Jahren hat sich die Situation der bulgarischen Medien deutlich verschlechtert. In der Rangliste der Pressefreiheit der Organisation Reporter ohne Grenzen ist Bulgarien heute auf Platz 87 zu finden. Weiter hinten als jedes andere europäische Land. Vor zehn Jahren rangierte Bulgarien noch auf Platz 36.

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