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Pressefreiheit : Die permanent Beleidigten

Satire und Kabarett sind ihm offenkundig fremd: Recep Tayyip Erdogan Bild: dpa

Die Strafanzeige gegen Dieter Nuhr und die haltlosen Rassismus-Vorwürfe gegen eine Erdogan-Karikatur von Greser & Lenz haben es gezeigt: Spaßbremsen verdienen kein Verständnis.

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          Die Meinungs- und Kunstfreiheit in diesem Land gilt noch etwas: Die Staatsanwaltschaft Osnabrück hat das Ermittlungsverfahren gegen den Kabarettisten Dieter Nuhr wegen angeblicher Hetze gegen den Islam eingestellt. Man habe die Kunstfreiheit gegen den Schutz von Religionsgemeinschaften abgewogen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Auch sei nicht zu erkennen, dass Nuhr Religionsgemeinschaften beleidige, bei seinem Programm handele es sich um Satire. Das zu begreifen dürfte dem Osnabrücker Muslim, der die Anzeige gegen Nuhr erstattete, ebenso schwerfallen wie dem türkischen Ministerpräsidenten Erdogan, der sich dieser Tage über eine Karikatur von Greser & Lenz erregte, die vor drei Jahren in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erschien und inzwischen in ein baden-württembergisches Schulbuch aufgenommen wurde: Ein türkischer Wirt führt eine Hütte in den Alpen, seine „Brotzeit mit scharf“ ist einem Gast etwas zu würzig, er ringt um Atem, im Hintergrund knurrt in seiner Hütte ein Hofhund namens Erdogan.

          Das türkische Außenministerium sieht darin „ein Spiegelbild des Rassismus und der Fremdenfeindlichkeit“ in Deutschland. Dass die Zeichner ganz im Gegenteil hier ein Beispiel gelungener Integration und ein Lob derselben aufs Papier gezaubert haben, will den Politruks der türkischen Regierung nicht in den Kopf. Also sind sie beleidigt. Und behaupten, alle Türken in Deutschland, alle Einwanderer, alle Muslime würden beleidigt. Was zeigt, dass Recep Tayyip Erdogan sich inzwischen für den natürlichen Vertreter eines großen Teils der Menschheit hält, nichts aber von Humor und Toleranz.

          Wie bedeutsam es angesichts der Aktionen der permanent Beleidigten, die für ein aggressives Klima sorgen, ist, nicht auch noch Schlagzeilen-Alarm zu geben, das sollten sich die beiden CDU-Politiker, die der türkischen Regierung beigesprungen sind, und sollte sich die „Neue Osnabrücker Zeitung“ hinter die Ohren schreiben, die die Story des von Dieter Nuhr angeblich beleidigten Muslims hochgejazzt hat. „Eine Karikatur ist eine Karikatur, und sie karikiert, deshalb heißt sie so“, sagte der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann zum Entrüstungssturm der türkischen Regierung. Am Umgang mit Karikaturen und mit Satire zeigt sich, was die Presse- und Meinungsfreiheit wert ist. Um diese machen sich Greser & Lenz und Nuhr verdient. Bedenklich würde es, wenn Politik und Justiz ihre Spitzen nicht mehr verstünden und vergäßen, dass man Spaßbremsen wie Erdogan und dessen Osnabrücker Bruder im Geiste bremsen muss.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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