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Facebooks politische Werbung : Preisfrage

Musste von seiner politischen Verantwortung erst überzeugt werden: Mark Zuckerberg am 11. April im Kapitol Bild: AP

Facebook gibt an, wer am meisten für politische Werbung ausgibt. Dabei übersteigen die Aufwendungen des eigenen Unternehmens die des Erstplatzierten um mehr als das Doppelte. Eine Glosse.

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          Es sieht so aus, als wolle Facebook ernsthaft vermitteln, man nehme die Möglichkeiten politischer Einflussnahme durch Werbung im weltgrößten sozialen Netzwerk ernst. Zwei Wochen vor den amerikanischen Midterm Elections hat das Unternehmen eine Suchmaske freigeschaltet, die den Nutzern die Werbekunden politischer oder themenbezogener Anzeigen und deren Ausgaben im vergangenen halben Jahr auflistet.

          Den Spitzenplatz nimmt der texanische Demokrat Beto O’Rourke ein, seit fünf Jahren Mitglied im Repräsentantenhaus, der bei der Wahl am 6.November Ted Cruz den Sitz im Senat streitig machen will. Mehr als 5,3 Millionen Dollar hat O’Rourke seit Mai für mehr als sechstausend Anzeigen ausgegeben, mehr als das Zehnfache des Amtsinhabers. Die Analysten des „Cook Political Report“ stufen den Ausgang der Wahl nach einem zunächst deutlichen Vorsprung für Cruz inzwischen als offen ein. Platz zwei im Werbekunden-Ranking ist keine Überraschung: Trumps „Make America Great Again Committee“ hat in den vergangenen sechs Monaten mehr als drei Millionen Dollar für Facebook-Werbung ausgegeben – und auf Platz neun der Liste findet sich mit „Donald J. Trump for President“ und Ausgaben von mehr als 1,6 Millionen Dollar gleich ein zweites Werbeprofil des amerikanischen Präsidenten. Dabei steht er zur Halbzeit seiner Amtszeit gar nicht selbst zur Wahl.

          Doch nicht nur Werbekunden unmittelbar aus der Politik führt der „Ad Archive Report“ auf: Der amerikanische Ölkonzern Exxon Mobil findet sich ebenso weit oben auf der Liste wie Concealed Online, ein Anbieter von Sicherheitstrainings für Schusswaffenbesitzer. Auch das Unternehmen, dem mit weit mehr als dem Doppelten der Werbeausgaben von Beto O’Rourke im sozialen Netzwerk eigentlich der Spitzenplatz gebührt hätte, hat sich lange Zeit als unpolitisch dargestellt – Facebook selbst. Der Konzern versteckt seine Werbeausgaben von knapp 12,5 Millionen Dollar im vergangenen halben Jahr in einer Fußnote.

          In vielen je fünfzehn Sekunden langen Video-Anzeigen stellt er dar, welche Sicherheitsvorkehrungen er vor den Wahlen in knapp zwei Wochen trifft – die Verstärkung des „Security Teams“ gehört dazu wie der Einsatz Künstlicher Intelligenz und die Zusammenarbeit mit Forschern aus aller Welt. Allerdings hatte sich der Vorstandsvorsitzende Mark Zuckerberg erst im Frühjahr vor dem Repräsentantenhaus und dem EU-Parlament zu den Manipulationsmöglichkeiten erklären müssen, die sein soziales Netzwerk ermöglicht hat. Es sieht so aus, als wolle Facebook ernsthaft vermitteln, man nehme die Möglichkeiten politischer Einflussnahme durch Werbung im weltgrößten sozialen Netzwerk ernst.

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