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Preis der Leipziger Buchmesse : Mit Leichtigkeit durch den Alptraum

  • -Aktualisiert am
Ausgezeichnet für seinen Roman „Sand“: der Berliner Schriftsteller Wolfgang Herrndorf
          2 Min.

          Für Buchmenschen ist es der wichtigste Termin auf der Leipziger Buchmesse. Immer am Donnerstag um Punkt sechzehn Uhr wird in der Glashalle des Messegeländes der mit 45.000 Euro dotierte Preis der Leipziger Buchmesse verliehen, oder besser: um Punkt sechzehn Uhr beginnt die Preisverleihung. Denn bevor nach gut einer Stunde endlich feststeht, wer in den drei Kategorien Belletristik, Sachbuch und Übersetzung ausgezeichnet wird, werden allerlei Grußworte gesprochen, Sponsoren und Förderer mit Lob und Dank bedacht, die Jury vorgestellt.

          Lena Bopp
          Redakteurin im Feuilleton.

          Es sind, das hat Verena Auffermann, die Sprecherin der diesjährigen Jury, richtig gesagt, quälende Momente der Ungewissheit für die insgesamt fünfzehn Kandidaten, die auf der Shortlist stehen. Dieses Verständnis hielt sie gleichwohl nicht davon ab, die eigentliche Preisverleihung so lange wie möglich hinauszuzögern. Erst als man sich schon in einer Casting-Show wähnte und minütlich den nächsten Werbeblock erwartete, kam die Sache doch noch ins Rollen.

          „Nimm und lies!“

          Und es gab eine kleine Überraschung: Denn nachdem schon am Vorabend im Leipziger Gewandhaus der Buchpreis zur Europäischen Verständigung an die Historiker Ian Kershaw und Timothy Snyder verliehen worden war, hatte eigentlich niemand mehr damit gerechnet, dass in der Kategorie „Sachbuch/Essayistik“ ein weiterer Geschichtswissenschaftler ausgezeichnet werden könnte, der sich ebenso wie die anderen beiden in seinem Werk mit Terror und Gewalt in den Zeiten Hitlers und Stalins beschäftigt hat.

          Am wenigsten hatte Jörg Baberowski selbst mit dem Preis gerechnet. Doch Laudator Jens Bisky lobte das Buch „Verbrannte Erde. Stalins Herrschaft der Gewalt“ für seine präzise Argumentation und seine sprachliche Kraft. „Und wenn in Zukunft jemand fragt: Was war denn das, der Stalinismus? Dann würde man zum Regal gehen, das Buch nehmen und sagen: Nimm und lies!“

          „Er freut sich!“

          In der Kategorie „Belletristik“ wurde der Preis einem Autor verliehen, der ihn aus gesundheitlichen Gründen nicht persönlich in Empfang nehmen konnte: Wolfgang Herrndorf. Er erhielt ihn für seinen Roman „Sand“, der zu Beginn der siebziger Jahre in der Sahara spielt, dort höchst verschiedene Figuren auf- und wieder abtreten lässt und ein virtuoses Spiel mit Wahrnehmungen und Erwartungen inszeniert.

          Die Jurorin Johanna Adorján, Redakteurin der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, würdigte vor allem Leichtigkeit, Eleganz und Komik des Romans. Es sei ein ganz anderes Werk als „Tschick“, der Roman, für den Herrndorf schon im vergangenen Jahr für den Leipziger Buchpreis nominiert war. Diese andere Facette des Autors kennenzulernen, zeige, was für ein herausragender Erzähler er sei.

          Robert Koall, Chefdramaturg am Staatsschauspiel Dresden und Freund von Herrndorf, nahm den Preis im Namen des Autors entgegen, und überbrachte dem Publikum außerdem eine Botschaft von ihm, einen Sinnspruch aus Nordwestafrika: „Die Sonne geht immer hinter der Düne unter, die dir am nächsten ist.“ Koall versicherte auch: „Er freut sich!“

          Der Preis für die beste Übersetzung ging an Christina Viragh. In fünf Jahre dauernder Arbeit hatte sie den Roman „Parallelgeschichten“ von Peter Nadas vom Ungarischen ins Deutsche übertragen. Sie habe, lobte der Juror Martin Ebel, das Unmögliche versucht und sei dabei in das „schwarze Herz der Sprache“ vorgedrungen. Und dies ist wahrhaftig eine Meisterleistung, nicht nur, weil Nadas’ Roman mit 1700 Seiten so umfangreich ist. „Die deutschen Leser“, so Ebel, „sind ihr zu Dank verpflichtet.“

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